Apotheker kämpft gegen 90.000-Euro-Rückforderung – und um seine Existenz
Jakob BauerApotheker kämpft gegen 90.000-Euro-Rückforderung – und um seine Existenz
Dr. Christian Fehske, Inhaber der Rathaus-Apotheke in Hagen, sieht sich mit einer Rückforderung von fast 90.000 Euro konfrontiert. Im Mittelpunkt des Streits steht der Vorwurf, er habe eine "unwirtschaftliche Überversorgung" eines Patienten mit Medikamenten nicht verhindert. Eine Krankenkasse fordert nun die vollständige Erstattung der Kosten für zwei hochpreisige Arzneimittel, die in seiner Apotheke abgegeben wurden.
Der Fall hat überregionale Aufmerksamkeit erregt, nachdem er in einer Anhörung des Landtags von Nordrhein-Westfalen thematisiert wurde. Trotz der Diskussionen bestehen sowohl die Krankenkasse als auch ihre Aufsichtsbehörde darauf, dass die Rückforderung rechtmäßig sei.
Der Konflikt begann, als die Krankenkasse AOK Nordwest über 87.000 Euro von Fehskes Apotheke zurückforderte. Die Kasse argumentierte, dass die Erstattung für zwei teure Medikamente nicht in voller Höhe hätte geleistet werden dürfen. Fehske werde vorgeworfen, gegen die Apothekenbetriebsordnung verstoßen zu haben, indem er eine nach Ansicht der Kasse unnötige Überversorgung nicht unterbunden habe.
Fehske hat inzwischen Klage gegen die Entscheidung eingereicht. Eine Verhandlung in seinem Fall wird jedoch frühestens 2028 erwartet. Der langwierige Rechtsweg hat ihn frustriert zurückgelassen, und er gibt zu, dass seine Motivation durch den anhaltenden Streit stark gelitten habe.
Die finanzielle Belastung ist nicht die einzige Folge. Fehske warnt, dass Rückforderungsrisiken mittlerweile die größte Bedrohung für das Überleben seiner Apotheke darstellen. Gleichzeitig wirkt sich das Problem auch auf die Berufswahl im Sektor aus: Eine Pharmazeutisch-technische Assistentin und Pharmazeutisch-kaufmännische Angestellte soll ihren Job kündigen, um in die Rückforderungsabteilung einer Krankenkasse zu wechseln.
Trotz der wachsenden Bedeutung solcher Fälle bleiben Rückforderungsrisiken in Debatten über die Finanzierung von Apotheken oder steigende Arzneimittelpreise ein selten behandeltes Thema.
Fehskes juristischer Kampf wird sich noch über Jahre hinziehen, eine Lösung ist frühestens 2028 zu erwarten. Das Ergebnis könnte Präzedenzcharakter für die Behandlung ähnlicher Streitfälle in der Zukunft haben. Der Fall zeigt bereits jetzt die finanziellen und beruflichen Belastungen auf, denen sich Apotheken durch die aktuellen Rückforderungsregelungen ausgesetzt sehen.






