Cybergrooming unter Jugendlichen erreicht besorgniserregende Rekordwerte in Deutschland
Johanna AlbrechtCybergrooming unter Jugendlichen erreicht besorgniserregende Rekordwerte in Deutschland
Digitale sexualisierte Gewalt unter Jugendlichen in Deutschland hat alarmierende Ausmaße erreicht. Fast die Hälfte aller Minderjährigen berichtet mittlerweile von Erfahrungen mit Online-Missbrauch – besonders stark gestiegen sind seit 2020 die Fälle von Cybergrooming. Expert:innen warnen, dass viele Vorfälle in Freundeskreisen oder Klassenchats stattfinden, oft wegen mangelnden Bewusstseins für digitale Grenzen.
Eine Sonderauswertung der Jugendsexualitätsstudie des Bundesinstituts für öffentliche Gesundheit zeigt: Fast jedes zweite Kind oder jeder zweite Jugendliche ist von sexualisierter Gewalt im Netz betroffen. Polizeistatistiken bestätigen einen drastischen Anstieg von Cybergrooming-Fällen in den letzten fünf Jahren – 89 Prozent der Opfer sind 13 Jahre alt oder jünger. Besonders gefährdet bleiben die jüngsten Altersgruppen.
Bei Cybergrooming nehmen Täter:innen zunächst über Chats Kontakt zu Kindern auf, bevor sie zu Belästigung oder Missbrauch übergehen. Bis 2025 gab fast ein Viertel der Minderjährigen an, diese Form der Manipulation erlebt zu haben. Überraschend ist: Die Täter:innen sind nicht immer Fremde – viele Opfer kennen ihre Peiniger:innen persönlich.
Als Reaktion erreichten Präventionsworkshops unter Leitung von Yasmina Ramdani in einem dreijährigen Pilotprojekt rund 5.000 Schüler:innen in Thüringen. Gefördert von der Landesbeauftragten für Kinderschutz, richteten sich die Angebote an Jugendliche der fünften bis achten Klasse. Nach den Sommerferien 2026 sollen die Workshops wiederaufgenommen werden.
Lehrkräfte fühlen sich jedoch oft überfordert, digitale sexualisierte Gewalt angemessen zu thematisieren. Viele wünschen sich bessere Unterstützung im Umgang mit solchen Fällen. Auch Eltern werden aufgefordert, das eigene digitale Verhalten zu reflektieren und mit ihren Kindern über Grenzen zu sprechen – etwa beim Versenden von Nacktfotos oder bei Erpressung.
Prominente Fälle wie die Vorwürfe von Collien Fernandes gegen ihren Ex-Mann Christian Ulmen haben das Problem zusätzlich ins öffentliche Bewusstsein gerückt. Behörden erkennen zunehmend die digitale Dimension von Gewalt gegen Frauen und Jugendliche an und betonen: Prävention ist weit kostengünstiger als die Bewältigung langfristiger Folgen.
Angesichts des Anstiegs digitaler sexualisierter Gewalt werden nun stärkere Präventionsmaßnahmen gefordert. Schulen, Eltern und Politiker:innen müssen handeln, bevor noch mehr junge Menschen dauerhaften Schaden nehmen. Workshops und Aufklärungsprogramme bleiben zentrale Instrumente im Kampf gegen das Problem.






