14 March 2026, 12:17

"Fiftyfifty" kämpft ums Überleben: Verkaufseinbruch bedroht Obdachlosen-Magazin

Eine Zeitung mit einer Zeichnung von zwei Personen, eine sitzend und eine stehend, mit der Aufschrift "Die Obdachlosen Armen".

"Fiftyfifty" kämpft ums Überleben: Verkaufseinbruch bedroht Obdachlosen-Magazin

Fiftyfifty, ein Magazin, das in Düsseldorf von obdachlosen und marginalisierten Verkäufer:innen angeboten wird, verzeichnet einen drastischen Rückgang der Verkaufszahlen. Die Auflage sank von 40.000 Exemplaren auf weniger als 12.000 im Januar 2023. Der Einbruch spiegelt die allgemeinen Herausforderungen der Printmedien wider – und eine wachsende Feindseligkeit gegenüber den Verkäufer:innen, von denen viele Migrationshintergrund haben.

Das Magazin bietet Obdachlosen nicht nur ein Einkommen, sondern auch Struktur und ein Gefühl der Zugehörigkeit. Ohne Fiftyfifty wären ihre Stimmen und der Zugang zu Unterstützungsprogrammen wie Housing First noch stärker gefährdet.

Gegründet von Hubert Ostendorf, erscheint Fiftyfifty sowohl in gedruckter als auch in digitaler Form. Die Online-Version funktioniert wie eine Loskarte: Die Verkäufer:innen erhalten die Hälfte des Verkaufspreises. Finanziert wird das Magazin vor allem über den Verkauf, daneben tragen Spenden und eine Wohltätigkeitsgalerie die sozialen Projekte mit.

Um die steigenden Kosten auszugleichen, erhöhte sich der Preis von Fiftyfifty von 2,80 auf 3,40 Euro. Doch die Krise der Printmedien und zunehmender Rassismus setzen dem Absatz stark zu. Viele Verkäufer:innen – oft mit Migrationsgeschichte – berichten von wachsender Ablehnung in der Öffentlichkeit.

Die Sichtbarkeit des Magazins und der direkte Kontakt zu den Leser:innen sind zentral für seine Mission. Doch Fiftyfifty ist nicht allein mit seinen Problemen: In den letzten fünf Jahren haben mindestens fünf andere deutsche Straßenmagazine – darunter Tachles in Berlin und Strassenfeger in Hamburg – Einbrüche von über 50 Prozent hinnehmen müssen. Der Fachverband Straßenfeger e.V. und Medienstudien nennen Inflation, digitale Konkurrenz und Pandemie-Beschränkungen als Hauptgründe. Auch städtische Vorschriften, kostenlose Zeitungen und rückläufige Spenden spielen eine Rolle.

Für viele Verkäufer:innen bedeutet der Verkauf von Fiftyfifty mehr als nur Geld: Er gibt ihrem Alltag Struktur, ermöglicht soziale Kontakte und schützt vor Ausgrenzung. Die Zukunft des Magazins hängt nun davon ab, ob diese Herausforderungen gemeistert werden können.

Die Überlebensfähigkeit von Fiftyfifty steht und fällt mit der Umkehr des Absatz- und Unterstützungsrückgangs. Sinkt die Auflage weiter, könnten Programme für Obdachlose wichtige Finanzquellen verlieren. Das Magazin bleibt für die Verkäufer:innen eine Lebensader – doch seine Nachhaltigkeit ist bedroht.

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