Junge Menschen verlieren das Vertrauen in die Demokratie – was jetzt helfen könnte
Tim BöhmJunge Menschen verlieren das Vertrauen in die Demokratie – was jetzt helfen könnte
Eine neue Studie offenbart wachsende Sorgen über die Haltung junger Menschen zur Demokratie. Zwar geben 73 Prozent an, in der Schule darüber gelernt zu haben, doch nur 57 Prozent fühlen sich sicher darin, selbstständig politische Informationen zu finden. Viele fordern nun mehr politische Bildung im Unterricht, um das steigende Misstrauen und die Radikalisierungstendenzen zu bekämpfen.
Die Unterstützung für die Demokratie unter jüngeren Altersgruppen ist seit 2021 deutlich gesunken. In Nordrhein-Westfalen stieg der Anteil der "labilen Demokraten" – also jener mit unsicheren demokratischen Werten – bis 2025 um fünf Prozentpunkte auf 28 Prozent. Auch das Vertrauen in zentrale Institutionen hat nachgelassen, wobei die stärksten Rückgänge bei jungen Menschen zu verzeichnen sind.
Die Studie unterteilt die Befragten in drei Gruppen: "überzeugte Demokraten", "labile Demokraten" und "Demokratiegegner". Fast die Hälfte stimmt mittlerweile der Aussage zu, die Gesellschaft würde von "einer starken Einzelpartei" profitieren, während 15 Prozent glauben, eine Diktatur könnte unter bestimmten Umständen gerechtfertigt sein. Nur noch die Hälfte der Jugendlichen zeigt sich zufrieden mit der aktuellen Funktionsweise der Demokratie.
Bundesbildungsministerin Karin Prien warnt vor dem Einfluss digitaler Räume auf junge Menschen. Sie verweist darauf, wie sich Frauenfeindlichkeit, Gewalt und Extremismus über soziale Medien, Chatgruppen und Gaming-Communities verbreiten. Prien zufolge sind Kinder und Jugendliche in diesen digitalen Umfeldern emotionaler Manipulation und Radikalisierung ausgesetzt.
Trotz dieser Herausforderungen wünschen sich 76 Prozent der Befragten, dass Schulen politische Themen stärker behandeln. Die Studie legt nahe, dass eine verstärkte politische Bildung demokratische Kompetenzen fördern und der digitalen Radikalisierung entgegenwirken könnte.
Die Ergebnisse zeigen einen klaren Bedarf an besserer politischer Bildung in Schulen. Angesichts sinkenden Vertrauens in die Demokratie und zunehmender undemokratischer Einstellungen sehen Expert:innen den Unterricht als zentralen Hebel, um demokratische Werte zu stärken. Die Studie unterstreicht zudem die Dringlichkeit, die Online-Radikalisierung junger Menschen einzudämmen.






