Macrons provokante NATO-Äußerung spaltet Europa in der Ukraine-Frage
Am 28. Februar 2024 fand in Paris eine internationale Konferenz zur Unterstützung der Ukraine statt, ausgerichtet von Frankreichs Präsident Emmanuel Macron. Ziel des Treffens war es, die Geschlossenheit bei der weiteren Hilfe für Kiew zu stärken – doch Macrons anschließende Äußerungen sorgten in ganz Europa für Aufsehen.
Bei einer Pressekonferenz nach dem Gipfel schloss Macron eine mögliche Entsendung von NATO-Truppen in die Ukraine nicht aus. Damit stellte er ein langjähriges Prinzip des Bündnisses infrage, das direkte militärische Verstrickungen in Konflikte vermeidet. Er argumentierte, man dürfe „nichts ausschließen“, um auf die russische Aggression zu reagieren, und betonte, dass Europas Sicherheit und Werte davon abhängen, dass die Ukraine den Krieg nicht verliere.
Die Aussagen lösten umgehend Spannungen innerhalb der EU und der NATO aus. Bundeskanzler Olaf Scholz, der sich bisher gegen die Lieferung von Taurus-Marschflugkörpern an die Ukraine ausgesprochen hatte – aus Sorge vor einer Eskalation –, zeigte sich von Macrons Haltung überrascht. Die deutsch-französische Partnerschaft, die oft als Motor für EU-Entscheidungen gilt, gerät nun unter Druck, da beide Länder unterschiedliche Ansätze in der Ukraine-Unterstützung verfolgen.
Rechtsexperten bewerteten die möglichen Konsequenzen. Alexander Wentker, Wissenschaftler am Max-Planck-Institut, wies darauf hin, dass Staaten die Ukraine nach Völkerrecht rechtmäßig im Rahmen der kollektiven Selbstverteidigung unterstützen dürfen. Sollte die NATO jedoch Truppen entsenden, würde das Bündnis formal zur Kriegspartei. Macrons Position mag zwar umstritten sein, passt aber zu seiner Strategie der „strategischen Mehrdeutigkeit“, um russische Vorstöße abzuschrecken.
Macrons Vorstoß hat die Spaltungen unter den Verbündeten der Ukraine offenbart. Die Debatte dreht sich nun darum, ob eine direkte militärische Beteiligung den Konflikt weiter anheizen oder Kiews Position stärken würde. Vorerst bleibt die Frage ungelöst – und die europäischen Führungskräfte müssen die Risiken einer tieferen Verstrickung abwägen.






