Nora Burgard-Arps dystopischer Roman "Wir nicht" entfacht Debatte über Abtreibungsrechte
Tim BöhmNora Burgard-Arps dystopischer Roman "Wir nicht" entfacht Debatte über Abtreibungsrechte
Die Autorin Nora Burgard-Arp stellt am 26. September 2025 im Bottroper Filmforum ihren dystopischen Roman "Wir nicht" vor. Die vom Gleichstellungsbüro der Stadt organisierte Veranstaltung leitet über zum Safe Abortion Day am 28. September. In ihrem Debüt entwirft Burgard-Arp eine Zukunft, in der die reproduktiven Rechte von Frauen brutal kontrolliert werden – und eine Frau sich leise gegen das System auflehnt.
Im Mittelpunkt des Romans steht Mathilda, die unter einem repressiven Regime schweigt, bis eine ungewollte Schwangerschaft sie zum Handeln zwingt. Sie fälscht ihre Zyklusaufzeichnungen, um unentdeckt zu bleiben, kann die Schwangerschaft aber nicht verbergen. Während sie diese vor ihrem Mann geheim hält, wächst ihr Widerstand – und legt die Risse im System offen.
Die Lesung knüpft an die langjährige Debatte über das Abtreibungsrecht in Deutschland an. Seit 1871 ist Abbruch strafbar, doch ein Kompromiss von 1995 erlaubte Ausnahmen unter strengen Auflagen. In jüngster Zeit gab es Bewegungen: 2022 wurde § 219a abgeschafft, ein Entkriminalisierungsversuch scheiterte im Februar 2025, und die Forderungen nach Reformen halten an. Stand März 2026 drängen parlamentarische Initiativen – etwa von Grünen und Linken – darauf, Abbrüche vollständig aus dem Strafrecht zu nehmen und als medizinische Leistung zu behandeln.
Nach der Lesung entwickelte sich eine lebhafte Diskussion über die politische Verantwortung, solche Dystopien zu verhindern. Die Bücher waren schnell vergriffen, Signierstunden organisierte die Bottroper Humboldt-Buchhandlung. Burgard-Arp bietet zudem kostenlose Schullesungen auf Einladung von Lehrkräften an, um auch jüngere Zielgruppen in den Dialog einzubeziehen.
Die Veranstaltung zeigt die Kluft zwischen Fiktion und Realität bei reproduktiven Rechten. Während "Wir nicht" eine düstere Zukunft zeichnet, spiegeln die aktuellen deutschen Debatten den realen Kampf um rechtliche Veränderungen wider. Burgard-Arps Werk und ihre öffentlichen Auftritte halten das Thema präsent – und mahnen zum Handeln, bevor aus Dystopie Wirklichkeit wird.






