Pflegekosten explodieren: Warum Familien in Deutschland an ihre Grenzen kommen
Johanna AlbrechtPflegekosten explodieren: Warum Familien in Deutschland an ihre Grenzen kommen
Die Kosten für die Langzeitpflege in Deutschland steigen immer weiter – für viele Familien wird die monatliche Belastung zur schweren finanziellen Bürde. Ein aktueller Bericht zeigt, wie stark Haushalte mit Pflegebedürftigen zu Hause belastet sind: Die Hälfte von ihnen zahlt über 2.000 Euro im Monat, ohne dass die Krankenversicherung auch nur einen Teil übernimmt. Doch auch Heimbewohner:innen müssen mit steigenden Ausgaben rechnen: Im ersten Jahr fallen durchschnittlich mehr als 3.200 Euro an.
Das deutsche Sozialsystem fördert zwar laut Paragraf 3 des Elften Buchs Sozialgesetzbuch (SGB XI) die häusliche Pflege. Doch trotz dieser Präferenz bleibt die finanzielle Last enorm. Über 85 Prozent der Pflegebedürftigen werden zu Hause versorgt, mehr als die Hälfte davon ausschließlich von Angehörigen. Doch die Eigenanteile für die ambulante Pflege liegen zwischen 340 und 7.441 Euro monatlich – oft sogar höher als die Kosten in stationären Einrichtungen.
Anders als in Pflegeheimen, wo Zuschüsse die Belastung mit der Zeit mindern, sinken die Ausgaben für die häusliche Pflege nicht. Während Heimbewohner:innen 2024 im Schnitt 2.907 Euro monatlich zahlten, stieg der Betrag bis 2026 auf 3.245 Euro. Der Bundesverband 'wir pflegen!' e.V. kritisiert diese Schieflage und fordert, die häusliche Pflege bezahlbarer zu gestalten.
Zusätzlichen Druck übt die Erhöhung des Mindestlohns für examiniertes Pflegepersonal auf 17,35 Euro pro Stunde ab Juli 2025 aus. Die Bundesregierung hat zwar eine Reform des Pflegesystems bis Ende 2026 angekündigt, um es nachhaltiger und zugänglicher zu machen. Doch bis dahin bleibt die Situation für viele Familien angespannt: Egal, ob zu Hause oder im Heim – die Pflegekosten treiben sie an den Rand der Belastbarkeit.
Mit den geplanten Reformen ab 2026 soll die finanzielle Last gemildert werden. Bis dahin werden die Eigenanteile weiter steigen – besonders für diejenigen, die auf Langzeitpflege zu Hause angewiesen sind.