Rücktritt von EKD-Ratsvorsitzender Kurschus löst Debatte über Verantwortung aus
Johanna AlbrechtRücktritt von EKD-Ratsvorsitzender Kurschus löst Debatte über Verantwortung aus
Annette Kurschus ist von ihren Ämtern als Ratsvorsitzende der EKD und präsideende Bischof der Evangelischen Kirche von Westfalen zurückgetreten. Ihr Rücktritt folgt Vorwürfen, die sich auf ihre Zeit als Gemeindepfarrerin in Siegen in den späten 1990er-Jahren beziehen. In einer Stellungnahme wies sie die gegen sie erhobenen Anschuldigungen entschieden zurück.
Thomas Förster, stellvertretender Superintendent des Kirchenkreises Solingen der Evangelischen Kirche, hat sich inzwischen zu der Situation geäußert. Er betonte die Notwendigkeit, dass sich die Kirche wieder stärker auf den Schutz derer konzentrieren müsse, die von sexualisierter Gewalt betroffen sind.
Die Vorwürfe gegen Kurschus datieren aus ihrer Tätigkeit in Siegen vor mehr als zwei Jahrzehnten. Trotz ihrer Zurückweisung der Vorwürfe entschied sie sich, von ihren Führungspositionen zurückzutreten. Ihr Rückzug hat innerhalb der Kirche Diskussionen über Verantwortung und die Unterstützung von Opfern ausgelöst.
In Solingen verfügt die Evangelische Kirche seit 2018 über ein Schutzkonzept. Das „Schutzkonzept gegen Verletzungen der sexuellen Selbstbestimmung und sexualisierte Gewalt“ schreibt für alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie Führungskräfte verbindliche Schulungen vor. Zudem legt es klare Regeln für die Meldung von Vorfällen und die Einbindung der Strafverfolgungsbehörden bei Verdacht auf Straftaten fest.
Förster unterstrich die Bedeutung, das öffentliche Vertrauen zu wahren und Betroffene zu unterstützen. Er wies darauf hin, dass sich alle, die in Solingen von sexualisierter Gewalt betroffen sind – unabhängig davon, wann die Übergriffe stattfanden –, an Vertrauenspersonen oder FABS wenden können. Die Kirche stellt sicher, dass die Kontaktdaten der Beratungsstellen leicht zugänglich sind.
Förster, der auch als Synodalassessor tätig ist, sieht in Kurschus’ Rücktritt die Möglichkeit für die Kirche, die Bedürfnisse der Opfer in den Vordergrund zu stellen. Er betonte, dass der Wiederaufbau von Vertrauen bei den Geschädigten und in der breiten Öffentlichkeit weiterhin ein zentrales Anliegen der Institution bleibe.
Die Evangelische Kirche in Solingen setzt ihre Schutzmaßnahmen weiterhin konsequent um, darunter Schulungen und Meldeverfahren. Betroffene können sich weiterhin an spezialisierte Beratungsstellen und Organisationen wenden. Försters Aussagen signalisieren ein Bekenntnis dazu, vergangene Versäumnisse aufzuarbeiten und gleichzeitig präventive Maßnahmen für die Zukunft zu stärken.






