Solingen lehnt ABC-Klassen ab: Sprachförderung zwischen Kritik und Inklusion
Johanna AlbrechtSolingen lehnt ABC-Klassen ab: Sprachförderung zwischen Kritik und Inklusion
Die Pläne der nordrhein-westfälischen Landesregierung zur Einführung verpflichtender "ABC-Klassen" für Kinder mit schwachen Deutschkenntnissen stoßen in Solingen auf Kritik. Lokale Politiker von CDU und Grünen argumentieren, dass der Vorschlag die frühkindliche Bildung eher stören als verbessern könnte. Die Kurse, die 2028 starten sollen, würden Kinder für zusätzlichen Sprachunterricht aus den Kitas holen und in Schulen unterrichten.
Am 13. Januar 2026 gab die Landesregierung offiziell den Start der ABC-Klassen-Initiative bekannt. Dem Plan zufolge sollen Kinder mit unzureichenden Deutschkenntnissen ab dem Schuljahr 2028/29 zweimal wöchentlich zweistündige Sprachförderstunden in Grundschulen besuchen. Ein entsprechender Gesetzentwurf wurde Anfang 2026 dem Landtag vorgelegt.
In Solingen formierte sich schnell Widerstand. CDU- und Grüne-Politiker hinterfragten die Praxistauglichkeit des Modells und warnten, es könnte ein paralleles Fördersystem schaffen, statt die bestehenden Kita-Angebote zu stärken. Simone Lammert (CDU) verwies auf strukturelle Bedenken: Die neuen Klassen könnten bestehende Maßnahmen doppeln, anstatt sie sinnvoll zu ergänzen.
Maja Wehrmann (Grüne) äußerte Sorgen über die Auswirkungen auf die Kinder. Werde ihnen die vertraute Kita-Umgebung entzogen, drohten Lernrückschläge und Stigmatisierung, so ihre Argumentation. Jessica Schliewe (Grüne) fügte hinzu, dass Sprachförderung am besten im Alltag gelinge – in einem Umfeld, in dem Kinder Vertrauen zu ihren Betreuern aufbauen.
Lokale Verantwortliche forderten zudem klarere Vorgaben vom Land. Viele Beteiligte wissen nicht, wie die ABC-Klassen mit bestehenden Förderangeboten verzahnt werden sollen, was die Planung vor Ort erschwert. Die Politiker mahnten eine engere Zusammenarbeit zwischen Landesbehörden und Kommunen an, um sicherzustellen, dass neue Maßnahmen praxisnah und inklusiv gestaltet werden.
Ziel der ABC-Klassen ist es, die Sprachkompetenz vor der Einschulung zu stärken. Doch in Solingen überwiegen die Bedenken, dass das Vorhaben die frühkindliche Bildung zersplittern und Inklusion behindern könnte. Die Debatte dreht sich nun darum, ob das Land den Plan anpassen wird, um lokale Einwände aufzugreifen und die Abstimmung zu verbessern.






