Warum scheitern hochqualifizierte Führungskräfte an unsichtbaren Verhaltensmustern?
Tim BöhmWarum scheitern hochqualifizierte Führungskräfte an unsichtbaren Verhaltensmustern?
Führungserfolg hängt von mehr ab als nur von Fähigkeiten und Erfahrung
Ein aktueller Fall des Düsseldorfer Personalberaters Norbert Graschi zeigt, wie verborgene Verhaltensmuster selbst vielversprechende Karrieren aus der Bahn werfen können. Trotz exzellenter Qualifikationen scheitern manche Führungskräfte unerwartet an zwischenmenschlichen Schwächen.
Graschis Unternehmen sollte eine hochtalentierte Führungskraft für eine Spitzenposition bewerten. Der Kandidat verfügte über einen beeindruckenden Lebenslauf und solide Referenzen. Doch im Rahmen der Hintergrundprüfung zeichnete sich ein anderes Bild ab.
Der Headhunter sprach mit Kollegen verschiedener Hierarchieebenen. Während die fachliche Kompetenz und das strategische Denken des Bewerbers nie infrage standen, gab sein Kommunikationsstil Anlass zur Sorge. Mitarbeiter beschrieben einen Ton, der oft abwertend oder schroff wirkte. Schließlich musste sich sogar der Betriebsrat einschalten.
Solche Verhaltensmuster lassen sich in standardisierten Bewertungen nur schwer erkennen. Sie bleiben häufig verborgen, bis sie ernsthafte Probleme verursachen. Graschi erklärt, dass das Aufdecken von blinden Flecken in der Selbstwahrnehmung ein zentraler Bestandteil des Prozesses ist. Emotionale oder zwischenmenschliche Defizite können eine Karriere ausbremsen – selbst wenn keine fachlichen Schwächen vorliegen.
Referenzgespräche für solche Bewertungen stützen sich in der Regel auf Kontakte des Kandidaten. Dieser informiert die Gesprächspartner im Voraus und holt deren Zustimmung ein. Ziel ist es, ehrliche Einblicke darüber zu gewinnen, wie die Person mit Druck, Konflikten und Führungsherausforderungen umgeht.
Der Fall verdeutlicht, wie sich Reputation im Arbeitsalltag formt – sei es in Gesprächen, im Umgang mit Kritik oder in der Mitarbeiterführung. Ohne Selbstreflexion und regelmäßiges Feedback riskieren selbst begabte Führungskräfte Rückschläge in ihrer Karriere. Graschis Arbeit zeigt: Respektvolle Führung ist für den Aufstieg genauso entscheidend wie Fachwissen.






