Apothekerkammer Nordrhein in der Kritik: Millionenprojekte ohne klare Genehmigungen
Nico MeyerApothekerkammer Nordrhein in der Kritik: Millionenprojekte ohne klare Genehmigungen
Die Apothekerkammer Nordrhein (AKNR) steht nach einem Gerichtsurteil, das ihre Rücklagen als übermäßig hoch einstufte, unter finanzieller Beobachtung. Nun gibt es Fragen zu Haushaltsentscheidungen, darunter ein kostspieliges Sanierungsprojekt und Anwaltskosten in Höhe von 450.000 Euro. Der Rechtsanwalt Dr. Bernhard Bellinger, der mehr als 100 klagende Mitglieder vertritt, äußert Bedenken hinsichtlich Transparenz und Genehmigungsverfahren.
Im November 2024 billigte die AKNR-Versammlung ein Budget von 2,3 Millionen Euro für die Fassadensanierung ihres Bürogebäudes. Davon waren 550.000 Euro für 2025 vorgesehen, um Vorarbeiten für das Jahr 2026 zu finanzieren. Zum Zeitpunkt der Abstimmung lag jedoch noch kein Bauantrag vor, sodass der Zeitplan des Projekts ungewiss bleibt.
Zusätzlich bewilligte die Kammer für die Jahre 2025 und 2026 insgesamt 450.000 Euro an die Kanzlei Luther für die Bearbeitung von Streitigkeiten über Mitgliedsbeiträge. AKNR-Präsident Dr. Armin Hoffmann rechtfertigte diese Ausgaben als Maßnahme zur Reduzierung der überhöhten Rücklagen, die zuvor bereits rechtlich kritisiert worden waren.
Bellinger hinterfragt, ob die Kammer ohne Zustimmung der Versammlung eine Pauschalhonorarvereinbarung mit Luther getroffen hat. Zudem wies er auf Unstimmigkeiten in den Finanzen hin: Eine 1,5-Millionen-Euro-Festgeldanlage, die 2020 aus den Bilanzen verschwunden war, tauchte 2023 plötzlich wieder auf – nun auf 3 Millionen Euro angewachsen.
Hintergrund der Klagen sind über 100 Mitglieder, die ihre Beitragsbescheide anfechten. Bellinger, der die Kläger vertritt, argumentiert, dass die Haushaltsentscheidungen der Kammer an angemessener Kontrolle und Transparenz mangeln.
Die AKNR gerät nun unter Druck, ihre Finanzverwaltung und Sanierungspläne offenzulegen. Angesichts laufender Prozesse und Fragen zu nicht genehmigten Vereinbarungen muss die Kammer die Bedenken hinsichtlich ihrer Budgetvergabe ausräumen. Das Ergebnis könnte künftig Einfluss darauf haben, wie die Organisation mit Rücklagen und Mitgliedsbeiträgen umgeht.






