26 March 2026, 12:20

ARD testet 30-minütige Tagesschau – mehr Relevanz oder überflüssige Länge?

Titelseite der deutschen Zeitung 'Weitpreubliche Zeitung' vom 13. November 1939 mit einer Gruppe von Menschen in traditioneller deutscher Kleidung in einer feierlichen Umgebung.

ARD testet 30-minütige Tagesschau – mehr Relevanz oder überflüssige Länge?

Die ARD testet eine längere Version ihrer Flaggship-Nachrichtensendung Tagesschau. Die Ausgabe am Montagabend, die um 20:15 Uhr ausgestrahlt wird, läuft künftig 30 Minuten statt der üblichen 15. Der Sender erhofft sich von dieser Änderung, dass die Sendung für die Zuschauer noch relevanter für ihren Alltag wird.

Der Versuch ist Teil einer umfassenderen Initiative, um das Vertrauen in die Medien zu stärken und ein größeres Publikum zu erreichen. Kritiker äußern jedoch bereits Bedenken, sowohl in Bezug auf die Inhaltsqualität als auch auf die Auswirkungen auf die Hauptsendezeit.

Cashback bei deinen
Lieblingsrestaurants und Services

Kaufe Gutscheine und spare in deinen Lieblingsorten in deiner Nähe

LiberSave App auf Smartphones

WDR-Programmdirektor Jörg Schönenborn schlug das erweiterte Format vor, um globale Nachrichten mit persönlichen Erfahrungen zu verknüpfen. Er argumentierte, dass eine längere Sendedauer den Zuschauern helfen könnte, die Auswirkungen großer Ereignisse auf ihr eigenes Leben besser nachzuvollziehen. Dieser Ansatz, so Schönenborn, könnte die Sendung ansprechender und bedeutsamer machen.

Nicht alle teilen diese Einschätzung. Die Journalistin Aurelie von Blazekovic hinterfragte, ob die Jagd nach Alltagsrelevanz die richtige Strategie für ein Nachrichtenformat sei. Der Medienkritiker Michael Hanfeld warnte hingegen, dass 15 Minuten völlig ausreichten, um Nachrichten effektiv zu vermitteln. Zudem befürchtet er, dass die Änderung das Abendprogramm der ARD durcheinanderbringen und andere Sendungen in weniger attraktive Sendeplätze verdrängen könnte.

Die Kommentatorin Anna Mayr lenkte die Diskussion in eine andere Richtung: Für sie sei nicht die Länge des Formats das eigentliche Problem der Tagesschau, sondern die Qualität der Berichterstattung. Trotz der Debatte führt die ARD den Test fort, auch wenn noch keine konkreten Zuschauerzahlen aus den ersten Wochen vorliegen.

Die allgemeinen Einschaltquoten der Tagesschau bleiben 2025 weiterhin hoch – die 20:00-Uhr-Ausgabe kommt auf einen Marktanteil von 42,7 Prozent. Unklar ist jedoch, ob dieser Erfolg mit dem neuen Format zusammenhängt oder schlicht die etablierte Beliebtheit der Sendung widerspiegelt.

Mit dem verlängerten Tagesschau-Versuch will die ARD die Zuschauerbindung vertiefen und das Vertrauen in die Nachrichten stärken. Wahrscheinlich wird der Sender die Reaktionen des Publikums genau beobachten, bevor über dauerhafte Änderungen entschieden wird. Die Diskussion darüber, ob eine längere Sendedauer die Sendung tatsächlich verbessert oder lediglich mehr Sendezeit füllt, geht indes weiter.

Quelle