26 March 2026, 22:18

Böhmermanns Enthüllung macht rechtsextremen YouTuber Clownie zum Internetphänomen

Plakat mit fetter schwarzer Schrift auf weißem Hintergrund, das 'Es ist an der Zeit, Social-Media-Plattformen zur Rechenschaft zu ziehen' lautet, eingerahmt von einem dünnen schwarzen Rand.

Böhmermanns Enthüllung macht rechtsextremen YouTuber Clownie zum Internetphänomen

Eine umstrittene Ausgabe des ZDF Magazin Royale im Mai 2025 schlug nach hinten los, nachdem Moderator Jan Böhmermann die Identität des rechtsextremen YouTubers "Clownie" enthüllte. Die als Kritik an rechtsextremen Inhalten gedachte Sendung löste stattdessen einen massiven Anstieg der Popularität des YouTubers aus. Innerhalb weniger Tage verdoppelte sich fast die Abonnentenzahl des Kanals Clownswelt, was Debatten über Medienethik und unbeabsichtigte Folgen auslöste.

Vor der Ausstrahlung verfügte der Kanal Clownswelt über etwa 220.000 Abonnenten. Bis zum 13. Mai 2025 stieg diese Zahl auf über 384.000. Innerhalb einer Woche erreichte sie fast 500.000 – ein Wachstum, das weitgehend dem sogenannten Streisand-Effekt zugeschrieben wird, bei dem Versuche, Informationen zu unterdrücken, deren Verbreitung nur verstärken. Die Erwähnung im ZDF Magazin Royale und ein anschließender Artikel in der Zeit brachten unerwünschte Aufmerksamkeit, aber auch beispiellose Sichtbarkeit.

Der Medienanwalt Christian Solmecke argumentierte später, Böhmermann und Zeit Online könnten gegen § 126a des Strafgesetzbuchs verstoßen haben, indem sie persönliche Daten öffentlich machten. Christian Fuchs, der Journalist hinter der Recherche, behauptete, nur ein Prozent der gesammelten Informationen sei veröffentlicht worden, um die betroffene Person zu schützen. Kritiker, darunter die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ), hinterfragten den Mangel an konkreten Beweisen im Zeit-Artikel, die den YouTuber als "rechtsextrem" oder "gefährlich" ausweisen.

Die Folgen beschränkten sich nicht auf die Abonnentenzahlen. Nutzer in sozialen Medien reagierten mit Gegenangriffen und forderten die Veröffentlichung der Privatadressen von Böhmermann und Fuchs. Der Betreiber von Clownswelt profitierte unterdessen weiter von Werbeeinnahmen, die durch die gestiegene Reichweite voraussichtlich noch steigen werden. Der Vorfall befeuerte zudem erneut die Diskussion über die Rolle öffentlich-rechtlicher Sender wie des ZDF bei der Polarisierung politischer Debatten.

Seit Jahren nutzen linksextreme antifaschistische Gruppen ähnliche Methoden – sie recherchieren und machen das Privatleben rechtsextremer Akteure öffentlich. Doch in diesem Fall schien die Strategie den gegenteiligen Effekt zu haben: Der angegriffene YouTuber erhielt eine weit größere Plattform als zuvor.

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Die Folge des ZDF Magazin Royale untergrub nicht nur nicht den Kanal Clownswelt, sondern steigerte dessen Reichweite deutlich. Die Werbeeinnahmen und der Einfluss des Betreibers wuchsen, während rechtliche und ethische Fragen zu den angewandten Recherchemethoden offenbleiben. Medienbeobachter fragen sich nun, ob solche Enthüllungen riskieren, genau die Inhalte zu verstärken, die sie eigentlich verurteilen wollen.

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