28 April 2026, 02:17

Brasilien vergibt 172 Öl-Bohrlizenzen – trotz Klimaprotesten und rechtlicher Bedenken

Plakat mit Text "Abgesagte verbleibende Öl- und Gasförderlizenzen im Arctic National Wildlife Refuge" mit Bildern von Solarpanelen, Windrädern und einem bewölkten Himmel.

Brasilien vergibt 172 Öl-Bohrlizenzen – trotz Klimaprotesten und rechtlicher Bedenken

Brasiliens Öl- und Gassektor expandiert weiter – trotz massiver Kritik an Umweltfolgen

Diese Woche hat Brasiliens Öl- und Gasindustrie einen weiteren Ausbauschritt vollzogen: Bei einer großen Versteigerung von Bohrlizenzen wurden am 17. Juni 2025 insgesamt 172 Offshore-Blöcke vergeben – darunter 68 im Amazonasgebiet. Umweltschützer und Klimaschützer verurteilen den Schritt scharf und warnen vor schweren ökologischen Schäden sowie gebrochenen Klimaversprechen.

An der Auktion beteiligten sich internationale Konzerne wie Chevron, ExxonMobil, Chinas CNPC und der staatliche brasilianische Energiekonzern Petrobras. Unter den vergebenen Blöcken befinden sich 19 in der besonders sensiblen Mündungsregion des Amazonas, die zusammen 16.312 Quadratkilometer Meeresgebiet umfassen. Vorab wurde keine Umweltverträglichkeitsprüfung für Sedimentbecken (AAAS) durchgeführt – ein Umstand, der rechtliche Bedenken aufwirft.

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Schon im Vorfeld formierte sich Widerstand. Die Bundesanwaltschaft beantragte eine einstweilige Verfügung, um die Versteigerung zu stoppen, und verwies auf Verfahrensmängel sowie unzureichende Umweltverträglichkeitsstudien. Indigene Gruppen kritisierten den Prozess scharf, da ihre nach dem Übereinkommen 169 der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) vorgeschriebene freie, vorherige und informierte Zustimmung nie eingeholt wurde.

Umweltorganisationen reagierten mit scharfen Vorwürfen. Gisela Hurtado von Stand.earth bezeichnete die Auktion als "Versteigerung des Todes" und warnte, sie gefährde indigene Gebiete und verstoße gegen das Pariser Klimaabkommen. Ilan Zugman von 350.org Lateinamerika warf der Regierung vor, eine historische Chance für den Umstieg auf erneuerbare Energien zu vertun. Carolina Marçal vom Instituto ClimaInfo betonte, die Vergabe der Lizenzen werde extreme Wetterereignisse weltweit verschärfen.

Die Versteigerung wirft zudem Fragen zu Brasiliens Klimapolitik auf. Als Gastgeber des anstehenden UN-Klimagipfels COP30 sieht sich das Land nun mit dem Vorwurf konfrontiert, widersprüchliche Signale in Sachen Umweltschutz zu senden.

Trotz rechtlicher Klagen und breiter Kritik wurde die Auktion durchgezogen. Mit der Vergabe der 19 Amazonas-Blöcke könnte die Förderung in ökologisch hochsensiblen Gewässern bald beginnen. Die Entscheidung belastet Brasiliens Glaubwürdigkeit als Klimavorreiter – just in dem Moment, in dem das Land sich auf die Begrüßung der Weltgemeinschaft zum COP30-Gipfel vorbereitet.

Quelle