Bürgergeld-Reform 2026: Warum Langzeitarbeitslose trotz Jobcenter-Hilfe kaum Chancen haben
Tim BöhmFür fast jeden Zweiten ist ein Besuch beim Jobcenter sinnlos - Bürgergeld-Reform 2026: Warum Langzeitarbeitslose trotz Jobcenter-Hilfe kaum Chancen haben
Eine neue Studie der Bertelsmann Stiftung offenbart anhaltende Schwierigkeiten bei der Vermittlung langzeitarbeitsloser Menschen in den Arbeitsmarkt. Trotz hoher Zufriedenheit mit den Mitarbeitenden der Jobcenter gibt fast die Hälfte der Leistungsbeziehenden an, dass Beratungstermine ihre Jobchancen kaum verbessern. Die Ergebnisse erscheinen zu einem Zeitpunkt, an dem Deutschland sein Sozialsystem mit strengeren Regeln ab Juli 2026 grundlegend reformieren will.
Für die zwischen dem 15. April und 18. Juni 2025 durchgeführte Erhebung wurden über 1.000 erwerbslose Erwachsene im Alter von 25 bis 50 Jahren befragt, die seit mindestens einem Jahr Bürgergeld erhalten. Die Umfrage zeigt, dass 46 Prozent mit mehreren Hürden kämpfen – darunter gesundheitliche Probleme oder fehlende Qualifikationen. Dennoch äußerten sich mehr als zwei Drittel zufrieden mit der Unterstützung der Jobcenter, und fast drei Viertel hielten die Fachkräfte für kompetent.
Seit die Einführung des Bürgergelds im Januar 2023 das Hartz-IV-System ablöste, hat sich die Arbeitsmarktintegration verschlechtert oder stagniert. Nur noch 4 bis 5 Prozent der Langzeitarbeitslosen finden jährlich eine Anstellung – im Vergleich zu 6 bis 8 Prozent unter dem alten System. Angesichts von rund 5,5 Millionen Leistungsbeziehenden empfiehlt die Studie den Jobcentern, den Fokus stärker auf Coaching, Qualifizierungsmaßnahmen und direkte Arbeitsvermittlung zu legen.
Der Bericht rät zudem, Leistungsbeziehende ohne größere Hindernisse zu mehr Eigeninitiative bei der Stellensuche zu verpflichten – selbst wenn dies die Zufriedenheit mit der Betreuung verringert. Mit den anstehenden Reformen drohen denen, die nicht kooperieren, spürbare Kürzungen der Bezüge.
Der Bundestag hat bereits ein neues Sozialsystem beschlossen, das ab dem 1. Juli 2026 das Bürgergeld mit verschärften Auflagen ersetzen soll. Die Studienergebnisse unterstreichen die Notwendigkeit gezielterer Förderung, um die Beschäftigungsquote zu erhöhen. Strengere Regeln und ein stärkerer Praxisbezug in der Arbeitsvermittlung werden künftig die Politik prägen.