Frauenfeindlichkeit im Netz: Wie die "Männersphäre" junge Männer radikalisiert
Johanna AlbrechtFrauenfeindlichkeit im Netz: Wie die "Männersphäre" junge Männer radikalisiert
Frauenfeindlichkeit breitet sich rasant in sozialen Medien aus – angetrieben von extremistischen Online-Communities. Immer mehr junge Männer vertreten tief verwurzelte sexistische Ansichten: Fast jeder dritte glaubt, dass Ehefrauen ihren Männern gehorchen sollten. Influencer in der sogenannten "Männersphäre" (engl. manosphere) verbreiten antifeministische Ideologien, vermischt mit Verschwörungstheorien und Forderungen nach männlicher Vorherrschaft.
Seit 2020 hat der Aufstieg der Männersphäre besonders auf Plattformen wie Reddit, 4chan und Telegram an Fahrt aufgenommen. Dort predigen Influencer eine übersteigerte Männlichkeit, greifen den Feminismus an und schüren Feindseligkeit gegenüber Frauen. Einige fordern sogar, Frauen sollte das Wahlrecht entzogen werden.
Diese Ideen sickern zunehmend in die Mainstream-Kultur ein. Die britische Serie "Adolescence" zeigte etwa, wie ein 13-jähriger Junge nach einer Abfuhr ein Mädchen ersticht – ein Beispiel dafür, wie frauenfeindliche Rhetorik reale Gewalt anheizen kann. Rechtspopulistische Parteien, darunter die AfD in Deutschland, übernehmen solche Narrative und werben mit nationalistischen und antifeministischen Botschaften gezielt um enttäuschte Männer. Politikerinnen wie Gökay Akbulut werden im Zuge dieser Kampagnen mit digitaler Hetze überzogen.
Gleichzeitig behandeln viele Männer in Machtpositionen Frauen weiterhin herablassend oder mit sexualisierten Kommentaren. Die #MeToo-Bewegung, die solches Verhalten einst infrage stellte, kämpft mittlerweile um Aufmerksamkeit. Online werden Beleidigungen und frauenverachtende Schimpfwörter oft bejubelt – Missbrauch wird so normalisiert. Wer Macht hat, muss kaum mit Konsequenzen rechnen, sodass toxische Einstellungen ungehindert weiterbestehen.
Die Verbreitung frauenfeindlicher Ideologien verändert Jugendkultur und politische Debatten. Online-Radikalisierung wendet junge Männer gegen Gleichberechtigung, während einflussreiche Akteure für sexistisches Verhalten selten zur Rechenschaft gezogen werden. Ohne Gegenwehr drohen diese Haltungen sich noch tiefer in der Gesellschaft zu verankern.






