Agroforstwirtschaft soll Deutschlands Nitratproblem lösen – ohne Ertragsverluste
Tim BöhmAgroforstwirtschaft soll Deutschlands Nitratproblem lösen – ohne Ertragsverluste
Nitratbelastung in Deutschlands Grundwasser bleibt hartnäckig hoch
Trotz verschärfter Düngeregeln bleibt die Nitratbelastung in deutschen Brunnen besorgniserregend hoch. Neue Daten zeigen, dass jeder sechste private Brunnen den gesetzlichen Grenzwert überschreitet. Nun setzen Experten auf Agroforstwirtschaft – eine Anbaumethode, die Bäume mit Ackerflächen kombiniert – als Lösung, um die Verschmutzung zu verringern, ohne die Erträge zu gefährden.
Die Umweltschutzorganisation VSR-Gewässerschutz, die seit 1980 besteht, untersucht seit Jahrzehnten Brunnenwasser in ganz Deutschland. Ihre jüngsten Ergebnisse offenbaren alarmierend hohe Nitratwerte in einigen Regionen. In Hehn wurden 162 mg/l gemessen, in Merreter 146 mg/l. Weitere Brennpunkte sind Varbrook (128 mg/l), Broich (123 mg/l) und Neuwerk (100 mg/l). Die Organisation überwacht zudem im Winter Flüsse und Bäche, um Verschmutzungstrends zu analysieren.
Die aktuellen Vorschriften begrenzen Menge und Zeitpunkte für den Düngemitteleinsatz in der Landwirtschaft. Doch diese Maßnahmen haben die Nitratwerte nicht wie erhofft gesenkt. Daraufhin fordert der VSR-Gewässerschutz die Bundesregierung auf, die Agroforstwirtschaft zu fördern. Bei diesem Ansatz werden Bäume in Ackerflächen integriert, die Nitrate zurückhalten, bevor sie ins Grundwasser gelangen. Die Forderung wird von einem Bündnis landwirtschaftlicher Experten unterstützt. Sie argumentieren, dass Agroforstwirtschaft nicht nur die Nitratbelastung reduziert, sondern auch die Artenvielfalt stärkt und dem Klimawandel entgegenwirkt. Im Gegensatz zu anderen Umweltschutzmaßnahmen müssen Landwirte dabei keine Ertragseinbußen hinnehmen. Bäume, die entlang von Feldern gepflanzt werden, wirken wie ein natürlicher Filter und verringern langfristig den Bedarf an künstlichen Düngemitteln.
Da in vielen Brunnen weiterhin Nitratwerte über den zulässigen Grenzwerten gemessen werden, wächst der Druck für neue Lösungen. Die Agroforstwirtschaft bietet eine Möglichkeit, das Wasser zu reinigen, ohne die Produktivität der Landwirtschaft zu beeinträchtigen. Wird sie flächendeckend eingeführt, könnte sie Deutschland helfen, seine Umweltziele zu erreichen – ohne weitere Einschränkungen für die Landwirtschaft.
