Altersarmut droht: Warum Millionen Deutsche trotz Arbeit im Ruhestand verarmen
Jakob BauerAltersarmut droht: Warum Millionen Deutsche trotz Arbeit im Ruhestand verarmen
Deutschland steht vor einem wachsenden Risiko der Altersarmut – Millionen Beschäftigte verdienen zu wenig, um im Ruhestand abgesichert zu sein. Die gesetzliche Rente deckt derzeit nur etwas mehr als die Hälfte des Bruttoeinkommens ab und lässt viele Menschen verwundbar zurück. Zwar wird 2026 die Verdienstgrenze für Minijobs angehoben, was Rentnern einen kleinen Aufschlag verschafft – doch Experten warnen, dass weitreichendere Maßnahmen nötig sind.
Die offizielle Armutsgrenze in Deutschland liegt bei einem Nettoeinkommen von 1.378 Euro pro Monat. Um Altersarmut zu vermeiden, müssten Arbeitnehmer jedoch ein Bruttoeinkommen von etwa 3.300 Euro monatlich erzielen. Bei 40 Beitragsjahren würde dies eine Rente oberhalb der Armutsschwelle ermöglichen.
Doch die Realität sieht anders aus: 9,2 Millionen Vollzeitbeschäftigte verdienen weniger als 3.500 Euro im Monat und riskieren damit finanzielle Not im Alter. Weitere 4,6 Millionen kommen nicht einmal auf 2.750 Euro – ein Einkommen, das fast zwangsläufig zu Rentenkürzungen führt. In Ostdeutschland reicht selbst ein Bruttolohn von 2.750 Euro oft nicht aus, da Rentner dort näher an 2.950 Euro verdienen müssten, um eine Netto-Rente von 1.950 Euro zu erreichen und damit sicher über der Armutsgrenze zu liegen.
Frauen sind besonders betroffen: Ihre Rentenansprüche liegen im Schnitt 31,4 Prozent unter denen von Männern. Auch Alleinerziehende, Single-Haushalte und ältere Menschen zählen zu den Hochrisikogruppen – bereits jetzt sind 13 Millionen Deutsche von Einkommensarmut betroffen.
Experten betonen die Notwendigkeit privater Altersvorsorge und raten, die gesetzliche Rente bestmöglich auszuschöpfen. So können etwa Renteninformationen helfen, frühzeitig Sparlücken zu erkennen und gegenzusteuern.
Die geplante Erhöhung der Minijob-Grenze 2026 bringt zwar eine gewisse Entlastung, doch die strukturellen Probleme bleiben bestehen. Ohne höhere Löhne oder eine stärkere private Absicherung droht Millionen Menschen die Altersarmut. Die Zahlen zeigen eine klare Lücke zwischen den aktuellen Einkommen und dem, was für einen gesicherten Ruhestand nötig wäre.
