Apothekensterben in Deutschland: Warum jede dritte Filiale vor dem Aus steht
Jakob BauerApothekensterben in Deutschland: Warum jede dritte Filiale vor dem Aus steht
Deutschlands Apotheken-Netz schrumpft in alarmierendem Tempo
Im vergangenen Jahr schlossen 497 Apotheken mehr, als neu eröffnet wurden – die Gesamtzahl sank damit von 18.068 auf 17.571. Finanzielle Belastungen und steigende Kosten treiben viele an den Rand des Ruins: Mittlerweile ist jede dritte Apotheke akut von der Schließung bedroht.
Besonders deutlich zeigt sich der Rückgang im Bielefelder Stadtteil Schildesche: Wo 2012 noch vier Apotheken ansässig waren, gibt es heute nur noch eine. Lokale Politiker und Apotheker fordern nun dringend Reformen, um weitere Verluste abzuwenden.
Ursache ist ein jahrelanges Finanzierungsungleichgewicht In den letzten 20 Jahren stiegen die staatlich festgelegten Vergütungen für Apotheken lediglich um 3,1 Prozent. Gleichzeitig explodierten die Personal- und Betriebskosten um 65 Prozent. Diese Schere treibt viele in die Insolvenz – allein im vergangenen Jahr mussten 17 Apotheken aus diesem Grund schließen.
Online-Konkurrenz verschärft die Krise Versandapotheken, die keine umfassende pharmazeutische Betreuung bieten, unterbieten lokale Apotheken mit ihren Preisen. Doch die geplante Reform der Ampelkoalition greift dieses Problem nicht an: Sie verschiebt notwendige Gebührenanpassungen auf unbestimmte Zeit und sieht keinen rechtlichen Schutz für die festen Arzneimittelpreise vor – ein zentraler Stabilisator im Gesundheitssystem.
Lokale Initiativen – doch die Reformpläne werfen Fragen auf Hauke Stange, Inhaber der Adler-Apotheke und Vorsitzender des Bielefelder Apothekerverbandes, traf sich kürzlich mit Oberbürgermeisterin Dr. Christiana Bauer, um die Herausforderungen zu erläutern. Die Juristin, die mit der Debatte um den Verkauf verschreibungspflichtiger Medikamente vertraut ist, versprach, sich auf Bundes- und Landesebene für Veränderungen einzusetzen. Zudem kündigte sie an, lokale Apotheken bei der Bewältigung des Fachkräftemangels zu unterstützen.
Doch die geplanten Reformen könnten neue Probleme mit sich bringen: Eine umstrittene Neuerung sieht vor, die Pflicht zur physischen Anwesenheit von Apothekern aufzuheben – was die Qualität der Patientenversorgung gefährden könnte. Ohne strengere Schutzmaßnahmen warnen Experten vor einer weiteren Beschleunigung des Apothekensterbens.
Ein bundesweites Problem mit ungewisser Zukunft Die Zahl der Apotheken in Deutschland sinkt weiter – getrieben von finanziellen Engpässen und ungleichen Wettbewerbsbedingungen. Bielefeld steht dabei exemplarisch für eine landesweite Entwicklung, bei der immer mehr Regionen Gefahr laufen, ihre medizinische Grundversorgung zu verlieren. Ohne konkrete Reformen bleibt die Stabilität der lokalen Arzneimittelversorgung fraglich.
