Bafin ermittelt erneut gegen Gerresheimer wegen fragwürdiger Bilanzierungspraktiken
Johanna AlbrechtGerresheimer: Bafin kündigt weitere Bilanzprüfungen an - Bafin ermittelt erneut gegen Gerresheimer wegen fragwürdiger Bilanzierungspraktiken
Der Glas- und Kunststoffspezialist Gerresheimer steht erneut unter scharfem Blick der deutschen Finanzaufsicht Bafin. Die Behörde hat eine erweiterte Prüfung sowie ein neues Ermittlungsverfahren zu den Bilanzierungspraktiken des Unternehmens eingeleitet. Nach Bekanntwerden der Meldung brachen die Aktienkurse im nachbörslichen Handel deutlich ein.
Bereits zuvor hatte die Bafin Bedenken an der Handhabung sogenannter 'Bill-and-Hold'-Verträge durch Gerresheimer geäußert. Bei solchen Geschäften können Kunden die Lieferung von Waren hinauszögern, obwohl bereits eine Rechnung gestellt wird. Die Aufseher stellten fest, dass Umsätze zu früh verbucht wurden – noch vor dem tatsächlichen Wareneingang beim Kunden.
Im Jahr 2024 führte diese Praxis zu einer Überbewertung der Erlöse in Höhe von 35 Millionen Euro. Die Bafin hatte das Unternehmen bereits kritisiert, weil es gegen die IFRS-Regeln zur Umsatzrealisierung verstoßen habe, die eine Ertragsbuchung erst nach erfolgter Lieferung vorsehen. Nun wird die Behörde ihre Kontrollen auf den Zeitraum vom 1. Dezember 2024 bis zum 31. Mai 2025 ausdehnen.
Die aktuelle Untersuchung umfasst zudem die Halbjahresfinanzberichte von Gerresheimer für 2025. Die Entscheidung der Bafin, ihre Prüfung auszuweiten, deutet auf tiefgreifendere Zweifel an der Einhaltung von Compliance-Vorgaben und der Transparenz in der Rechnungslegung des Konzerns hin.
Die neue Ermittlung erhöht den Druck auf Gerresheimer, während die Aufseher die Finanzpraktiken des Unternehmens genauer unter die Lupe nehmen. Anleger reagierten prompt – die Aktie gab im nachbörslichen Handel spürbar nach. Die Ergebnisse der Bafin-Prüfung könnten weitere Folgen für die Berichterstattung und die Marktposition des Unternehmens haben.
