19 December 2025, 15:56

Die Wahrheit

Ein mit Lichtern geschmückter Weihnachtsbaum, mit einem Vorhang und einer Topfpflanze im Hintergrund.

Die Wahrheit

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Allgegenwärtig in Bayern: Vor Weihnachten wird in Bayern noch immer das Gedicht „Heilige Nacht“ des nach wie vor beliebten Antisemiten Ludwig Thoma rezitiert.

  1. Dezember 2025, 23:06 Uhr

Unterhaltung, Popkultur

Ein Gemeinderat in Bayern hat beschlossen, Straßen und öffentliche Plätze umzubenennen, die bisher den Schriftsteller Ludwig Thoma ehren – dessen antisemitische Werke bis heute umstritten sind. Der Beschluss geht auf einen Antrag von Bündnis 90/Die Grünen im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen zurück und hat eine Debatte über das Erbe des Autors in der Region ausgelöst.

Thomas Gedicht „Heilige Nacht“ aus dem Jahr 1906 wird in Bayern noch immer während der Weihnachtsfeiern vorgetragen. Der Text, der antisemitische Motive enthält, erzählt die Geschichte von Joseph und Maria, die in Bethlehem nach einer Herberge suchen. Der Refrain „Ehre sei Gott in der Höhe / Und Frieden den Menschen hier auf Erden!“ wird bei festlichen Anlässen oft gesungen.

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Der Schauspieler Enrico de Paruta führt Thomas „Heilige Nacht“ seit über 25 Jahren mit ausverkauften Häusern auf. Doch die Hetze des Autors – etwa in Artikeln für den „Miesbacher Anzeiger“ – wird seit Langem kritisiert. Dennoch tragen weiterhin Straßen und Schulen in Bayern seinen Namen. Die Umbenennungsinitiative ging von Bündnis 90/Die Grünen in Bad Tölz-Wolfratshausen aus. Nach kommunalen Beratungen stimmte der Gemeinderat für die Entfernung von Thomas Namen aus dem örtlichen Straßenbild. Ähnliche Vorhaben scheiterten anderswo jedoch am Widerstand – unter anderem durch Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter.

Der Beschluss markiert einen Wandel im Umgang der Stadt Bad Tölz-Wolfratshausen mit dem umstrittenen Erbe Thomas. Straßen und öffentliche Plätze erhalten nun neue Namen – ein Zeichen für die anhaltende Auseinandersetzung mit historischen Persönlichkeiten und ihren belasteten Biografien. Die Entscheidung folgt auf Jahre öffentlicher Aufführungen und regionaler Traditionen, die mit seinem Werk verbunden sind.