19 November 2025, 14:23

DT64 lebt wieder: Wie ein Theaterstück den rebellischen DDR-Radio-Geist zurückbringt

Eine Bahnstrecke mit Plakaten an der Wand daneben.

DT64 lebt wieder: Wie ein Theaterstück den rebellischen DDR-Radio-Geist zurückbringt

Ein neues Theaterstück bringt den rebellischen Geist von DT64 zurück – dem legendären Jugendradio der DDR

On Air On Fire, geschrieben von der ehemaligen Moderatorin Marion Brasch, beleuchtet die turbulenten letzten Jahre des Senders, als er um sein Überleben kämpfte. Die Produktion markiert das 75-jährige Jubiläum des Theater an der Parkaue in Berlin, einer Bühne, die jungen Stimmen seit jeher eine Plattform bietet.

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Das Stück, eine Mischung aus Dokumentation und Fiktion, verbindet reale Ereignisse mit kreativem Erzählstrang und konzentriert sich auf die Ära, in der DT64 zum Schauplatz des Kampfes um freie Meinungsäußerung wurde. Brasch, die von 1987 bis 1992 für den Sender arbeitete, greift auf eigene Erfahrungen zurück, um die Energie einer Zeit einzufangen, in der Radio weit mehr war als bloße Unterhaltung.

DT64 startete 1964 als Jugendwelle des Radio DDR, entwickelte sich aber bis in die späten 1980er zu einem radikaleren Medium. Braschs Drehbuch setzt dort ein, wo Rio Reisers zensierter Song Der Traum ist aus 1988 endete – ein Symbol für die wachsende Spannung zwischen staatlicher Kontrolle und künstlerischem Widerstand. Das Stück erzählt auch von einem prägenden Akt des Widerstands 1989, als eine Nachrichtensprecherin sich weigerte, den offiziellen Bericht über die Niederschlagung der Proteste am Platz des Himmlischen Friedens zu verlesen – und damit ihre Karriere riskierte, um zu ihren Prinzipien zu stehen.

Der Kampf um DT64 wurde zu einer öffentlichen Auseinandersetzung. Hörer besetzten die Senatskanzlei und gingen auf die Straße, entschlossen, den Sender am Leben zu erhalten, während sich die politische Landschaft der DDR wandelte. Brasch erinnert sich an diese Zeit als eine Ära des rohen, ungefilterten Rundfunks, in der Moderatoren und Publikum auf Augenhöhe standen. Ein berührender Moment im Stück zeigt eine junge Frau, die nach dem Mauerfall zu einer DT64-Reporterin sagt: „Unsere Unfähigkeit zu spielen macht uns jeden Tag mehr Feinde.“ Der Satz spiegelt die Orientierungslosigkeit einer Gesellschaft wider, die plötzlich ohne alte Regeln dastand, aber noch nicht wusste, wie sie neue aufbauen sollte.

Das Theater an der Parkaue, ursprünglich 1950 als Theater der Freundschaft gegründet, setzt seit Langem auf die Stärkung junger Menschen. Neben Aufführungen bietet es Workshops an, in denen Jugendliche Geschichten austauschen und einander zuhören können. On Air On Fire passt perfekt zu dieser Mission: Es nutzt Geschichte, um Gespräche über Freiheit, Kreativität und die Kraft der Jugendkultur anzuregen.

Braschs Werk blickt nicht nur zurück – es holt die Vergangenheit in die Gegenwart. Durch die Verbindung von dokumentarischem Realismus mit fiktiven Zeitsprüngen lässt sie die elektrisierendste Phase von DT64 wiederaufleben: einen Moment, in dem ein Radiosender zur Lebensader für die wurde, die Veränderung forderten.

Das Stück feiert Premiere im Jubiläumsjahr des Theater an der Parkaue und unterstreicht dessen Engagement für junge Stimmen. On Air On Fire sorgt dafür, dass DT64s Erbe – aus Widerstand, Gemeinschaft und dem Kampf um freie Meinungsäußerung – nicht in Vergessenheit gerät. Für diejenigen, die diese Zeit miterlebt haben, ist die Produktion eine lebendige Erinnerung an die Macht des Radios, Autoritäten herauszufordern. Für jüngere Zuschauer bietet sie die Chance, eine Geschichte zu entdecken, die bis heute nachhallt.