Düsseldorf plant umstrittenes Drogenhilfezentrum nach Zürcher Vorbild in Oberbilk
Nico MeyerDüsseldorf plant umstrittenes Drogenhilfezentrum nach Zürcher Vorbild in Oberbilk
Düsseldorfer Behörden stellen Pläne für neues Drogenhilfezentrum in Oberbilk vor
An diesem Donnerstagabend werden Düsseldorfer Verantwortliche die Pläne für ein neues Drogenberatungszentrum im Stadtteil Oberbilk vorstellen. Das Projekt orientiert sich am "Zürcher Modell", das in der Schweizer Großstadt den öffentlichen Drogenkonsum und -handel deutlich reduziert hat. Doch bereits jetzt formiert sich Widerstand: Eine lokale Bürgerinitiative hat über 2.200 Unterschriften gegen das Vorhaben gesammelt.
Das Zentrum soll nach einem gestuften, modularen System arbeiten und noch in diesem Sommer seinen Betrieb aufnehmen. Zu den Angeboten zählen Beratungsgespräche, medizinische Grundversorgung sowie psychiatrische Unterstützung. Die Stadt hat für die Initiative im diesjährigen Haushalt 3,3 Millionen Euro eingeplant – mit Fokus auf das Umfeld des Düsseldorfer Hauptbahnhofs.
Das Zürcher Modell, umgesetzt über das Drogeninformationszentrum (DIZ), bietet viermal wöchentlich Drogenchecks für psychoaktive Substanzen und einmal pro Woche für Cannabis an. Monatlich gibt es zudem Kontrollen für Anabolika sowie im Rahmen des Programms Sex&Drugs. Ergänzt wird das Angebot durch Jugendaufklärung und die Präventionswebsite saferparty.ch. Drei geschützte Kontaktstellen im Zürcher Stadtzentrum ermöglichen einen überwachten Konsum in Innenräumen, während in öffentlichen Bereichen eine strikte Null-Toleranz-Politik durchgesetzt wird.
Die Düsseldorfer Behörden zeigen sich trotz der Kritik überzeugt vom Erfolg des Modells und verweisen auf messbare Fortschritte in Zürich: weniger öffentliche Drogenvorfälle, hygienische Konsumräume und internationale Anerkennung. Polizeiverantwortliche aus Düsseldorf und Köln hatten die Zürcher Einrichtungen bereits vor Ort studiert. Herausforderungen bleiben jedoch – insbesondere bei der Frage, inwieweit die Polizei begrenzten Drogenhandel innerhalb der geschützten Bereiche dulden soll.
Vor Ort regt sich massiver Widerstand. Die "Bürgerinitiative Eisenstraße" argumentiert, der geplante Konsumraum verstoße gegen geltendes Recht und fordert konsequentere Strafverfolgung. Anwohner, Schulen und Kitas in der Nähe des vorgesehenen Standorts lehnen die Wahl des Ortes als "inakzeptabel" ab. Bei der ersten öffentlichen Informationsveranstaltung zum Projekt gab es scharfe Kritik und frustrierte Reaktionen seitens der Teilnehmer.
Die Stadt steht derzeit in Verhandlungen mit einem spezialisierten Sicherheitsdienst, der die Einrichtung betreuen soll.
Ziel des Oberbilker Zentrums ist es, Zürchs Erfolge durch strukturierte Unterstützung und Schadensminimierung zu wiederholen. Mit gesicherter Finanzierung und dem gestaffelten Start der Angebote wird das Projekt trotz anhaltender Opposition vorangetrieben. Als nächste Schritte stehen die Finalisierung der Sicherheitsvorkehrungen sowie die Klärung der von Kritikern vorgebrachten rechtlichen Bedenken an.
