E.ON-Chef warnt vor Reaktivierung von Nord Stream 1 und wachsender Drohnengefahr
Johanna AlbrechtE.ON-Chef warnt vor Reaktivierung von Nord Stream 1 und wachsender Drohnengefahr
Leonhard Birnbaum, Vorstandsvorsitzender des Energiekonzerns E.ON, hat vor einer Wiederinbetriebnahme der beschädigten Pipeline Nord Stream 1 gewarnt. Er betonte, dass Russlands anhaltende Aggression in der Ukraine das Land zu einem unzuverlässigen Energielieferanten mache. Seine Äußerungen erfolgen vor dem Hintergrund wachsender Besorgnis über Drohnenaktivitäten in der Nähe kritischer deutscher Infrastruktur.
In einer aktuellen Stellungnahme wies Birnbaum Forderungen nach einer Reaktivierung von Nord Stream 1 zurück und bestätigte, dass die Pipelines nach den Sabotageakten weiterhin unbrauchbar seien. Die Explosionsstellen seien mit Ostseewasser geflutet worden, was sie dauerhaft funktionsunfähig mache. Zudem warnte er, dass Russlands Krieg gegen die Ukraine beweise, dass das Land kein vertrauenswürdiger Partner für eine stabile Energieversorgung sei.
E.ON hält zwar weiterhin Anteile an der Betreibergesellschaft der Pipeline, doch Birnbaum besteht darauf, dass künftige Energieabkommen mit Russland nur im europäischen Verbund und nicht allein von Deutschland ausgehandelt werden dürften. Einseitige Lösungen, die Nachbarländer umgingen, würden die gemeinsame Sicherheit schwächen, so seine Argumentation.
Seine Warnungen beschränken sich jedoch nicht auf die Pipelines. Birnbaum verwies auf über 500 verdächtige Drohnenflüge, die das Bundeskriminalamt zwischen Januar und März 2025 registriert habe. Dazu zählten Sichtungen über Kraftwerken, Flughäfen und militärischen Einrichtungen. Zwar sei die Herkunft der Drohnen unklar – sie reiche von Hobbypiloten bis zu möglichen staatlich gelenkten Akteuren –, doch bezeichnete Birnbaum die Vorfälle als ernsthafte Bedrohung für die Infrastruktur.
Er erinnerte zudem an die gezielten russischen Angriffe auf ukrainische Energienetze, die er als bewusste Strategie zur Destabilisierung ganzer Gesellschaften bezeichnete. Die Risiken beträfen nicht nur ein einzelnes Land, sondern den gesamten Kontinent.
Birnbaums Haltung spiegelt die wachsenden Sorgen um die europäische Energiesicherheit und die Verwundbarkeit kritischer Infrastrukturen wider. Angesichts der außer Betrieb gesetzten Nord Stream 1 und der ungelösten Drohnengefahr besteht er darauf, dass nur gemeinsame Lösungen – und keine Alleingänge – den Weg nach vorn weisen. Der Fokus müsse darauf liegen, die Abhängigkeit von russischer Energie zu verringern und gleichzeitig die Schutzmaßnahmen für essenzielle Systeme zu verstärken.
