31 March 2026, 16:23

EU-Kommission plant radikale Reform des Emissionshandels – mit überraschenden Zugeständnissen an die Industrie

Plakat mit Text und Logo, das "Wir reduzieren die Treibhausgasemissionen bis 2030 um etwa eine Gigatonne" verkündet und für die Reduzierung von Treibhausgasen bis 2030 wirbt.

EU-Kommission plant radikale Reform des Emissionshandels – mit überraschenden Zugeständnissen an die Industrie

Die Europäische Kommission wird an diesem Mittwoch ihre ersten Vorschläge zur Reform des EU-Emissionshandels (EU-ETS) vorlegen. Eine der zentralen Änderungen sieht vor, dass die Streichung von Überschusszertifikaten in der Marktstabilitätsreserve (MSR) dauerhaft entfällt. Mit diesem Schritt soll den wachsenden Bedenken von Industrievertretern zu den CO₂-Preisen und der Marktstabilität Rechnung getragen werden.

Bereits im Mai 2026 hatte die Kommission eine bedeutende Anpassung der MSR vorgeschlagen, indem sie die Rücknahme überschüssiger Zertifikate aussetzte. Diese Maßnahme zielte darauf ab, die CO₂-Preise zu senken und die finanzielle Belastung der Unternehmen zu verringern. Doch Branchenvertreter wie Evonik-Chef Christian Kullmann und der Europaabgeordnete Peter Liese forderten umfassendere Reformen, darunter eine Senkung des jährlichen linearen Reduktionsfaktors (LRF) von 4,4 auf 3,4 Prozent sowie eine Verlängerung der kostenlosen Emissionszuteilungen über das Jahr 2034 hinaus.

Cashback bei deinen
Lieblingsrestaurants und Services

Kaufe Gutscheine und spare in deinen Lieblingsorten in deiner Nähe

LiberSave App auf Smartphones

Der aktuelle Plan der Kommission konzentriert sich auf kurzfristige Entlastungen und kombiniert die MSR-Änderungen mit einem 30-Milliarden-Euro-"Investitionsbooster", um die Industrie zu unterstützen. Unterdessen plädierten Kullmann und Liese in einem gemeinsamen Gastbeitrag für das Handelsblatt für langfristige strukturelle Reformen. Sie warben für pragmatische Kompromisse, um Umweltziele mit der Wettbewerbsfähigkeit der Industrie in Einklang zu bringen.

Die neuen Vorschläge sehen zudem Anpassungen der Referenzwerte für die Chemieindustrie vor und bieten damit gewisse Spielräume im Rahmen der reformierten ETS-Regeln. Diese Zugeständnisse folgen auf wiederholte Warnungen von Industrievertretern vor den wirtschaftlichen Belastungen durch strenge Klimavorgaben.

Die anstehenden Reformen markieren einen Kurswechsel in der EU-Klimapolitik: Statt schrittweiser struktureller Veränderungen wird nun die kurzfristige Senkung der CO₂-Preise priorisiert. Branchen wie die Chemieindustrie erhalten im neuen System überarbeitete Benchmarks, die die Einhaltung der Vorschriften erleichtern sollen, ohne die Fortschritte bei den Klimazielen zu gefährden.

Quelle