Evoniks profitabelste Sparte wankt: Chinas Methionin-Expansion droht Preiskrieg
Johanna AlbrechtEvoniks profitabelste Sparte wankt: Chinas Methionin-Expansion droht Preiskrieg
Evoniks Kerngeschäft gerät unter Druck: Chinesische Überkapazitäten bedrohen die profitabelste Sparte
Der Chemiekonzern Evonik, bekannt für seine Methionin-Produktion, sieht sich mit wachsendem Gegenwind konfrontiert: Überkapazitäten in China belasten die mit Abstand gewinnträchtigste Division des Unternehmens. Während chinesische Konkurrenten aggressiv expandieren, düstern sich die Gewinnaussichten ein – Anleger reagieren zunehmend nervös. Analysten senken ihre Prognosen und stufen die Aktie herab.
Am 7. Januar hatte die Privatbank Berenberg Evoniks Papiere auf "Verkaufen" abgestuft und dabei auf tiefe Risiken im Geschäftsmodell verwiesen. Gleichzeitig strich die Bank ihr Kursziel von 14,60 Euro auf 11,60 Euro zusammen – ein Zeichen für die wachsenden Sorgen um die zukünftige Profitabilität. Trotz eines Kurses nahe dem 52-Wochen-Tief weist die Aktie noch immer ein hohes KGV von über 63 auf, was Fragen zur Bewertung aufwirft.
Die größte Gefahr droht aus China: Dort planen Hersteller, bis Anfang der 2030er-Jahre zusätzliche Methionin-Kapazitäten von 1,5 Millionen Tonnen aufzubauen – ein globaler Anstieg um 50 Prozent. Diese Expansion übersteigt den heimischen Bedarf bei Weitem und birgt das Risiko eines Überangebots, das die Preise einbrechen lassen könnte. Evoniks Methionin-Sparte, die im vergangenen Jahr schätzungsweise 300 Millionen Euro zum bereinigten EBITDA beisteuerte, steht damit vor einer unsicheren Zukunft.
Analysten warnen, dass Evonik nach den deutlichen Preisanstiegen in den Jahren 2021 und 2022 nun in eine Phase der Preiskorrekturen eintritt. Sieben von zehn zentralen Indikatoren zeigen bereits negative Preistrends. Die Prognosen für 2026 und 2027 deuten darauf hin, dass das operative Ergebnis (EBITDA) deutlich unter den Markterwartungen liegen wird.
Um diesen Herausforderungen zu begegnen, fordern Experten entschlossenes Handeln – bis hin zu einer möglichen Zerschlagung des Konzerns, um Aktionärswert freizusetzen. Konzernchef Christian Kullmann gilt als treibende Kraft hinter einer möglichen strategischen Neuausrichtung, doch interne strukturelle Widerstände könnten solche Pläne behindern.
Während die chinesischen Überkapazitäten Evoniks Methionin-Geschäft unter Druck setzen, die Gewinnprognosen sinken und Analysten weitreichende Umstrukturierungen empfehlen, kommen den nächsten Schritten des Unternehmens entscheidende Bedeutung zu. Die nach wie vor hohe Bewertung der Aktie – trotz des jüngsten Kursrückgangs – verstärkt zudem die Unsicherheit bei den Anlegern.
