19 February 2026, 04:27

"Flying Tigers": Wie eine vergessene Kriegsluftbrücke Indien und China bis heute verbindet

Eine 19. Jahrhundert-Karte des Britischen Empire, die die Himalaya-Gebirge hervorhebt, mit detaillierten Textanmerkungen.

"Flying Tigers": Wie eine vergessene Kriegsluftbrücke Indien und China bis heute verbindet

Eine Kriegsluftbrücke zwischen Indien und China hat Spuren in Landschaften und Erinnerungen hinterlassen. Unter dem Namen "The Hump" verband die Route im Zweiten Weltkrieg Assam mit Kunming – und prägte Ökosysteme und Gemeinschaften nachhaltig. Jahrzehnte später decken Künstler:innen und Filmemacher:innen diese vergessenen Geschichten in einem gemeinsamen Projekt namens "Flying Tigers" auf.

Die Arbeit vereint die indische Regisseurin Madhusree Dutta, die chinesische Künstlerin Mi You und den Forscher Purav Goswani, die sich auf geteilte Geschichten und marginalisierte Stimmen konzentrieren. Ihr Projekt begann mit einem zufälligen Gespräch während der COVID-19-Pandemie – und offenbarten unerwartete Verbindungen zwischen weit entfernten Orten und vergangenen Ereignissen.

Die "Hump"-Luftbrücke war eine lebenswichtige Versorgungsroute der Alliierten, die zwischen 1942 und 1945 Güter über den Himalaya von Assam nach Kunming transportierte. Das ständige Dröhnen der Motoren und abgestürzte Maschinen störten das ökologische Gleichgewicht der Region: Tiger wurden aus ihren Dschungelhabitaten in nahegelegene Dörfer vertrieben. Gleichzeitig verwandelte sich Kunming von einer ruhigen Provinzstadt in ein pulsierendes Zentrum – angetrieben durch Schwarzmarkt und Kriegswirtschaft.

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Parallel zur Luftbrücke schlängelte sich die Ledo Road, eine holprige Versorgungsstraße, durch das Brahmaputra-Tal und verband Assam mit Burma und darüber hinaus. Einheimische nutzten zurückgelassene Flugzeugteile als Werkzeug, während britische Kolonialklaviere – wie jenes in der Familie von Mi You in Kunming – in Haushalten landeten. Noch heute zeugen Reste der Straße und schwimmende Inseln, die "Chars" genannt und von der Miya-Gemeinschaft bewirtschaftet werden, von dieser Zeit. Doch diese Gruppen sehen sich nun durch neue Staatsbürgerschaftsgesetze bedroht.

Für Dutta nahm die Auseinandersetzung mit dieser Geschichte eine persönliche Wendung, als die Demenz ihrer Mutter vergessene Erinnerungen an Assams Rolle im Krieg freilegte. Diese Enthüllungen inspirierten "Flying Tigers", einen Film, der Kindertänze, Roadmovie-Szenen und Kunstinstallationen verbindet. Das Projekt erzählt von Hybridität – von den deutschen "Trümmerfrauen" bis zur modernen Chongqing-Duisburg-Eisenbahn – und zeigt, wie Krieg und Migration Identitäten prägen.

Die Zusammenarbeit zwischen Dutta, You und Goswani macht deutlich, wie Krankheit – sei es Demenz oder pandemiebedingte Isolation – unerwartete Entdeckungen anstoßen kann. Ihre Arbeit kartografiert die Übergangsräume, in denen Geschichte, Ökologie und Kultur aufeinandertreffen, und gibt denen eine Stimme, die in offiziellen Erzählungen oft unsichtbar bleiben.

Das "Flying Tigers"-Projekt bewahrt die Geschichten eines Kriegskorridors, der das Leben in Indien und China veränderte. Von umfunktionierten Flugzeugteilen bis zu geschmuggelten Klavieren – das Erbe der Luftbrücke lebt in Gegenständen, Landschaften und Erinnerungen weiter. Während Miya-Bäuer:innen heute neuen Herausforderungen gegenüberstehen, sorgt der Film dafür, dass diese verwobenen Geschichten nicht in Vergessenheit geraten.