Freiwillige Rückkehr statt Abschiebung: Wie ein Projekt in Hamm 753 Menschen half
Nico MeyerFreiwillige Rückkehr statt Abschiebung: Wie ein Projekt in Hamm 753 Menschen half
Ein Projekt in Hamm hat in den vergangenen drei Jahren 753 Menschen dabei unterstützt, Deutschland freiwillig zu verlassen. Die Initiative, die von den Kreisen Soest und Warendorf getragen wird, zielt darauf ab, abgelehnte Asylbewerber dazu zu bewegen, ohne Zwang in ihre Heimatländer zurückzukehren. Angesichts des wachsenden Drucks, Abschiebekosten zu senken und den Prozess für Familien zu erleichtern, wollen die Behörden ähnliche Programme nun ausweiten.
Die Landesregierung setzt verstärkt auf freiwillige Ausreisen statt auf Zwangsabschiebungen. Die Ministerin für Flucht und Integration, Josefine Paul, hat die Schaffung von 24,5 neuen Beratungsstellen angekündigt, die Menschen dabei helfen sollen, Deutschland aus eigener Entscheidung zu verlassen. Diese Stellen werden Unterstützung bei logistischen Fragen, finanzieller Hilfe und der Wiedereingliederung in den Herkunftsländern bieten.
Für manche Familien fällt die Entscheidung zur Rückkehr bereits vor einem Asylbescheid. Die Familie Demir aus der Türkei etwa beschloss, freiwillig in ihre Heimat zurückzukehren, während ihr Antrag noch geprüft wurde. Andere, wie Mahammad Zeynalov aus Aserbaidschan, standen nach einer abgelehnten Asylbewerbung vor der Abschiebung. Mit einer Rückkehrprämie von 6.000 Euro – fast ein Jahresgehalt in Aserbaidschan – entschieden sich Zeynalov und seine Familie, ohne Widerstand auszureisen.
Freiwillige Rückkehren gelten als weniger belastend als Abschiebungen. Sie ermöglichen es Familien, sich vorzubereiten, den Stress einer Zwangsmaßnahme zu vermeiden und die Rückkehrgelder mitunter für den Aufbau einer Existenz in der Heimat zu nutzen. Abschiebungen bleiben dagegen kostspielig: Allein ein Bundes-Charterflug nach Pakistan kostete im vergangenen Jahr über 400.000 Euro. Zwar wächst der politische Druck, die Zahl der Abschiebungen zu erhöhen, doch setzen die Behörden nach wie vor auf freiwillige Lösungen, wo immer möglich.
Trotz der Fortschritte des Projekts in Hamm gibt es keine detaillierten Daten zur Gesamtzahl der freiwilligen Ausreisen bundesweit seit 2022. Auch die häufigsten Herkunftsländer der Rückkehrer werden nicht systematisch erfasst.
Mit der Ausweitung der Rückkehrberatung soll die freiwillige Ausreise attraktiver werden. Durch finanzielle Anreize und praktische Unterstützung hofft die Regierung, die teuren Abschiebungen zu reduzieren. Der Erfolg des Hammer Projekts zeigt, dass für viele Familien eine geplante Rückkehr der bevorzugte Weg in die Zukunft ist.
