Fünf Tote in Dortmund: Initiative kämpft gegen systemisches Versagen bei Obdachlosigkeit
Tim BöhmFünf Tote in Dortmund: Initiative kämpft gegen systemisches Versagen bei Obdachlosigkeit
Dortmunder Initiative gedenkt fünf obdachlosen Menschen – und prangert systemisches Versagen an
Eine Initiative aus Dortmund ehrt fünf obdachlose Menschen, die in diesem Winter starben – darunter eine ehemalige Sozialarbeiterin, die mit der umstrittenen kommunalen Politik in Verbindung stand. Die Gruppe "Schlafen statt Strafen" sieht in diesen Todesfällen ein Zeichen für strukturelle Mängel im Umgang der Stadt mit ihren schutzbedürftigsten Bürgern. Die Organisator:innen fordern nun dringend Reformen, darunter besseren Zugang zu Unterkünften und ein Ende der Bestrafung von Obdachlosigkeit im öffentlichen Raum.
Im Mittelpunkt der Gedenkveranstaltung steht Marlies S., eine 62-jährige ehemalige Sozialarbeiterin, die starb, nachdem sie von ihrem gewohnten Schlafplatz vertrieben worden war. Aktivist:innen werfen der Stadt vor, dass ihre harte Durchsetzung von Anti-Obdachlosen-Regeln – wie Bußgelder und Zwangsumsiedlungen – zu ihrem Tod beigetragen habe. Die Initiative verknüpft ihren Fall mit einer grundsätzlichen Kritik an Dortmunds Umgang mit Obdachlosigkeit.
Zu den Forderungen gehören rund um die Uhr geöffnete Wärmehallen, ein spezieller Kältebus, uneingeschränkter Zugang zu Notunterkünften sowie mehr öffentliche Toiletten. Zudem verlangt die Gruppe ein Ende der Kriminalisierung von Obdachlosigkeit. Zwar zeige die Stadtverwaltung zunehmend Problembewusstsein, doch konkrete Maßnahmen blieben bisher unzureichend, so die Kritik.
Stefan Cramer lebt seit neun Jahren auf Dortmunds Straßen und übernachtet derzeit in einem Abstellraum. Er hofft bald eine eigene Wohnung zu finden und unterstützt die Ziele der Initiative. Betont wird: Nur stabile Wohnverhältnisse – nicht kurzfristige Lösungen – könnten das Problem nachhaltig lösen. Die Polizei hingegen argumentiert, man balanciere zwischen Ordnungsvollzug und Hilfsangeboten. Kritiker:innen halten dem entgegen, das System versage diejenigen, die am dringendsten Unterstützung bräuchten.
Der Gedenkmarsch setzt die lokalen Behörden unter Druck, die seit Langem bestehenden Lücken in der Obdachlosenhilfe zu schließen. Angesichts von fünf Todesfällen allein in diesem Winter pocht die Initiative auf sofortige Schritte: offene Unterkünfte, sichere Schlafmöglichkeiten und eine Politik, die Obdachlosigkeit als Wohnungsproblem – nicht als Straftat – behandelt. Ob diese Forderungen zu spürbaren Veränderungen führen, wird sich in den kommenden Monaten zeigen.
