23 April 2026, 14:32

"Kein Körper passt" feiert atemberaubende Bühnenpremiere in Berlin

Eine farbenfrohe Papierreproduktion, die die Lebensphasen von Frauen von der Kindheit bis ins hohe Alter zeigt, mit kräftiger Schrift und detaillierten Elementen.

"Kein Körper passt" feiert atemberaubende Bühnenpremiere in Berlin

Die Bühnenadaption von Kein Körper passt, dem preisgekrönten Debütroman von Kim de l'Horizon, hat vor ausverkauftem Haus im Berliner Vaganten Bühne in Charlottenburg Premiere gefeiert. Das Stück verwandelt die schonungslose literarische Auseinandersetzung mit Identität und Trauma in ein packendes Theatererlebnis.

In der Inszenierung verkörpern drei Schauspieler:innen – Julian Trostorf, Annemie Twardawa und Emma Zeisberger – abwechselnd die Rolle von Kim, der genderfluiden Hauptfigur des Romans. Der 2022 mit dem Deutschen und dem Schweizer Buchpreis ausgezeichnete Roman begleitet Kim auf ihrem Weg zur Selbstakzeptanz. Ausgelöst wird diese Reise, als die Demenz der Großmutter sie zwingt, sich mit Kindheitserinnerungen in einem Schweizer Vorort auseinanderzusetzen. Unter einer Blutbuche, die ihr Urgroßvater einst gepflanzt hat, findet Kim flüchtigen Halt, während sie sich mit dem Gewicht eines transgenerationalen Traumas konfrontiert sieht, das bis ins 14. Jahrhundert zurückreicht.

Auf der Bühne entfaltet sich die Geschichte durch kraftvolle Bilder: Zerrissene beige Strumpfhosen hängen von der Decke, gefüllt mit Sand und beschwerten Kugeln. Eine Modenschau zeigt die drei Darsteller:innen in zerbrechlich wirkenden, weißen Spitzenkleidern – eine Mischung aus Verletzlichkeit und Trotz. Der Höhepunkt der Aufführung ist der Moment, in dem das Trio das Schweigen bricht, das Kims Familie über Generationen belastet hat. Symbolisch bringen sie so das "Große Meer" – eine Metapher für den ererbten Schmerz – zur Ruhe.

Schweigen selbst ist ein zentrales Motiv und wird als Form der Gewalt dargestellt. Das Stück spiegelt die schonungslose literarische Untersuchung wider, wie Geschlecht, Geschichte und Zugehörigkeit den Kampf eines Menschen prägen, frei in seinem eigenen Körper zu existieren. Die Premiere markiert einen mutigen Schritt, de l'Horizons zutiefst persönliche Erzählung auf die Bühne zu bringen. Mit einer Mischung aus intimen Geschichten und beeindruckender Bühnensprache verleiht die Adaption den Roman-Themen von Erinnerung, Widerstand und Heilung körperliche Gestalt. Die ausverkauften Vorstellungen beweisen, dass die Kraft dieser Geschichte weit über die Buchseiten hinauswirkt.

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