Manfred Vogelsänger: Vom Werbefotografen zum revolutionären Bildkünstler
Jakob BauerManfred Vogelsänger: Vom Werbefotografen zum revolutionären Bildkünstler
Manfred Vogelsänger hat jahrzehntelang die Grenzen der Fotografie erweitert – zunächst als bahnbrechender Werbefotograf, heute als experimenteller Künstler der bildenden Fotografie. Seine frühen Arbeiten prägten die Werbefotografie der 1980er-Jahre, in denen er aufwendige, risikoreiche Aufnahmen ohne digitale Tricks realisierte. Heute erforscht er in Projekten wie Photo-Destructivismus und Le Mans 24h Bewegung und Unvorhersehbarkeit, wobei er Bilder als flüssige, sich ständig wandelnde Schöpfungen behandelt.
In den 1980er-Jahren verstand Vogelsänger Fotografie als handwerkliche Kunst. Jedes Bild musste physisch machbar sein – ohne Nachdrehen, ohne KI, ohne digitale Nachbearbeitung. Für eine Kampagne baute er ein ganzes Haus mit echten Dachziegeln, aber hohlem Inneren, das durch Verstrebungen sein eigenes Gewicht trug. Ein anderes Mal ließ er ein Haus von einer Dampflokomotive über eine gemietete Eisenbahnstrecke ziehen, wobei er Telegraphenmasten entfernte, um ungestörte Bewegungsunschärfen einzufangen.
Seine Liebe zum Detail war legendär. Einmal ließ er eine Landstraße neu pflastern, um Risse in einer Hochgeschwindigkeitsaufnahme zu vermeiden. In Neuseeland färbte er Gras ein und pflanzte Weihnachtsbäume, um eine unmöglich grüne Landschaft zu schaffen. Ein Shooting mit Tom Selleck in der US-Wüste erforderte ein rot lackiertes Flugzeug, das trotz Tankstopp und extremer Hitze den perfekten Bildausschnitt ermöglichte.
Vogelsängers Arbeiten prägten weltweite Kampagnen für Marken wie Camel, Adidas und McDonald's und wurden mit unzähligen Preisen ausgezeichnet. Später wandte er sich der bildenden Fotografie zu und integrierte gezielt Chaos in seinen Schaffensprozess. Heute verflüssigt er Emulsionen, taucht Bilder in Wasser ein und filmt mit Hochgeschwindigkeitskameras. Projekte wie Blue Up und Girls.Girls.Girls. entstehen über Wochen, in denen Zerstörung und Schöpfung verschmelzen. Kürzlich ehrte ihn der ADC Deutschland für sein Lebenswerk – eine Auszeichnung, die er als zutiefst bewegend bezeichnete.
Jahre lang lebte und arbeitete er in der historischen Brahm-Brotfabrik in Krefeld, in einem Loft, das seinem mutigen, unkonventionellen Stil entsprach.
Vogelsängers Karriere umfasst zwei gegensätzliche Phasen: die präzise Welt der Werbefotografie und die wilde Experimentierfreude der bildenden Kunst. Seine Methoden – ob der Bau aufwendiger Kulissen oder die Auflösung von Filmmaterial – erfordern Geduld und Wagnis. Seine Werke bleiben einflussreich, von ikonischen Werbemotiven bis hin zu Galerieausstellungen, die unsere Wahrnehmung von Bildern herausfordern.
