NRW-Innenminister warnt vor Radikalisierung linker Gruppen – doch Terrorgefahr bleibt unklar
Nico MeyerNRW-Innenminister warnt vor Radikalisierung linker Gruppen – doch Terrorgefahr bleibt unklar
Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul hat einen neuen Bericht über nachrichten aktuell in der Region vorgestellt. Die Analyse warnt vor einer zunehmenden Radikalisierung militanter Gruppen, stellt aber fest, dass es keine klaren Anzeichen für eine Hinwendung zum organisierten Terrorismus gibt.
Ein Schwerpunkt liegt auf dem "Angry Birds Command", einem undurchsichtigen Sabotagenetzwerk mit Verbindungen zur anarchoprimitivistischen Szene. Der Bericht untersucht zudem übergreifende Trends, darunter Sachbeschädigungen und ideologische Verschiebungen innerhalb der linken Szene.
Herbert Reul, der seit 2017 das Innenressort des Landes leitet, präsentierte die Erkenntnisse nach Jahren der Beobachtung extremistischer Aktivitäten. Besonders besorgniserregend sei die wachsende Aggressivität linker Kampfsportgruppen, insbesondere solcher mit Bezug zum "Budapest Complex". Diese Netzwerke würden ein erhöhtes Potenzial für gewalttätige Auseinandersetzungen aufweisen.
Die Zahl der Sachbeschädigungen in Nordrhein-Westfalen stieg zwischen 2024 und 2025 stark an – die Vorfälle verdoppelten sich nahezu. Allerdings richteten sich viele Angriffe gegen Wahlkampfmaterial rechtsextremer Parteien und nicht gegen großflächige Infrastruktur. Gleichzeitig dokumentiert der Bericht den Niedergang postautonomer Netzwerke wie "Interventionistische Linke" oder "ums Ganze", während orthodox-kommunistische Gruppen an Einfluss gewinnen.
Das "Angry Birds Command" bleibt eine zentrale Sorge, auch wenn über aktuelle Aktivitäten wenig bekannt ist. Die Gruppe agiert nach anarchoprimitivistischen Prinzipien, zielt auf Bahninfrastruktur ab und lehnt die industrielle Zivilisation ab. Ihr Ziel ist die Überwindung der menschlichen Vorherrschaft über die Natur – konkrete Hinweise auf aktuelle Operationen oder eine Ausweitung der Aktivitäten fehlen jedoch.
Eine ehemalige Aktivistin schilderte im Gespräch mit dem WDR ihre Unbehagen über radikale Protestmethoden und Zusammenstöße mit der Polizei. Zwar kritisierte sie die eskalierende Gewalt, vermied es aber, die gesamte Bewegung als extremistisch zu bezeichnen. Auch der Bericht selbst spricht nicht von "linkem Terrorismus", obwohl er eine Zunahme der Bedrohungslage konstatiert.
Neben militanten Strömungen zeichnet die Studie die ideologischen Wurzeln von Marxismus-Leninismus, Trotzkismus und Anarchismus nach. Sie ordnet aktuelle extremistische Tendenzen in den historischen Kontext der Arbeiterbewegung ein und zeigt, wie ältere Theorien bis heute die Aktivismusszene prägen.
Die Ergebnisse bestätigen einen Anstieg linker Militanztendenzen, insbesondere bei Sachzerstörungen und konfrontativen Aktionsformen. Dennoch gibt es keine Belege für eine systematische Entwicklung hin zum Terrorismus. Die Behörden bleiben wachsam, während sich die ideologischen Gräben vertiefen und neue Gruppen entstehen.
