NRW plant ABC-Klassen ab 2028 – doch Schulen kämpfen mit Personalmangel und Platznot
Nico MeyerNRW plant ABC-Klassen ab 2028 – doch Schulen kämpfen mit Personalmangel und Platznot
Nordrhein-Westfalen führt ab 2028/29 verpflichtende ABC-Klassen an allen Grundschulen ein
Mit dem Schuljahr 2028/2029 sollen in Nordrhein-Westfalen flächendeckend ABC-Klassen eingeführt werden, um Sprachdefizite bei Kindern noch vor der Einschulung zu beheben. Bildungsministerin Dorothee Feller betonte, dass kein Kind ohne ausreichende Deutschkenntnisse die Schule beginnen solle.
Kinder, die in frühen Sprachstandstests durchfallen, müssen künftig diese vorbereitenden Kurse besuchen. Angesichts von rund 2.800 betroffenen Grundschulen im Land wachsen jedoch die Bedenken, ob das System diese Herausforderung bewältigen kann.
Viele Schulen leiden bereits unter akutem Lehrkräftemangel, was in einigen Regionen zu häufigen Unterrichtsausfällen führt. In Solingen etwa sind die Grundschulen voll ausgelastet – Lernräume und Nachmittagsbetreuung finden oft in provisorischen Containern statt. Die zusätzlichen ABC-Klassen könnten die ohnehin knappen Ressourcen weiter belasten.
Kommunale Vertreter warnen, dass der mehrmalige wöchentliche Transport der Kinder von Kitas zu Schulen kaum umsetzbar sei. Zudem verlagert das Land die Finanzverantwortung auf die Gemeinden, ohne zusätzliche Mittel für Neubauten oder Personal zu garantieren. Kritiker befürchten, dass dies die bestehende Überlastung von Schulen und Lehrkräften noch verschärft.
Qualifiziertes pädagogisches Personal ist bereits jetzt Mangelware, und viele Stellen bleiben unbesetzt. Bildungsexperten warnen, dass die neuen Klassen das Problem lediglich von den Kitas in die überlasteten Grundschulen verlagern könnten. Ohne ausreichend Räume, Personal oder Finanzierung drohen die Maßnahmen die Belastung der Lehrkräfte weiter zu erhöhen und die Bildungsqualität insgesamt zu mindern.
Ziel der ABC-Klassen ist es, die Sprachkompetenz der Kinder vor der Einschulung zu stärken. Doch ihr Erfolg hängt davon ab, ob es gelingt, mehr Personal, Räume und Mittel bereitzustellen – Fragen, die bisher ungelöst sind. Solange diese Herausforderungen nicht bewältigt werden, riskiert die Reform, das ohnehin angestrengte Schulsystem weiter unter Druck zu setzen.
