16 December 2025, 20:37

Schildgen feiert zehn Jahre Willkommenskultur: Wie aus Fremden Nachbarn wurden

Drei shirtlose Jungs knien auf dem Boden während eines kulturellen Ereignisses, mit Grills auf beiden Seiten, einem großen Banner im Hintergrund und einer Person, die links ein Foto macht.

Schildgen feiert zehn Jahre Willkommenskultur: Wie aus Fremden Nachbarn wurden

Herzlich Willkommen in Schildgen: „Ein Lächeln, offene Arme, offene Herzen“

Vor zehn Jahren schrieb Deutschland Geschichte. Die Massenflucht 2015 prägte nicht nur die Bundespolitik, sondern auch das Engagement vor Ort – wie in Schildgen, wo rund 100 Einwohner:innen eine Willkommensinitiative gründeten, die Außergewöhnliches leistete. Zum Jubiläum berichten ehemalige Geflüchtete über ihr Leben in Schildgen.

Datum der Veröffentlichung: 1. November 2025, 07:35 Uhr

Schlagwörter: Lebensart, Allgemein, Kriminalität & Justiz, Sport

Vor einem Jahrzehnt schloss sich in Schildgen eine kleine Gemeinschaft zusammen, um Geflüchteten in Deutschland zur Seite zu stehen. Die Initiative „Willkommen in Schildgen“ startete 2015 mit etwa 100 engagierten Anwohner:innen, die Menschen auf der Flucht vor Krieg und Verfolgung unterstützten. Nun würdigen eine Jubiläumsausstellung und eine Veranstaltung ihren gemeinsamen Weg – und zeigen, wie sich Leben seitdem verändert haben.

Die Ausstellung „Angekommen“ des Fotografen Philipp J. Bösel ist noch bis zum 6. Dezember in „Himmel un Ääd“ zu sehen. Im Mittelpunkt stehen Schicksale wie das von Youssef Messraba, der Ende 2015 aus Damaskus flüchtete – orientierungslos und gesundheitlich angeschlagen. Seine Geschichte und die anderer Geflüchteter spiegeln die Höhen und Tiefen der Integration in den vergangenen zehn Jahren wider.

Als Youssef Messraba 2015 in Schildgen ankam, war er verängstigt, verwirrt und körperlich geschwächt. Die Initiative „Willkommen in Schildgen“ wurde für ihn zur Rettung: Sie half ihm bei Behördengängen, Arztbesuchen und Deutschkursen, gab rechtliche Beratung und unterstützte ihn bei der Berufsorientierung. Ohne diese Hilfe wäre der Neuanfang kaum zu bewältigen gewesen.

Trotz Hürden im Einbürgerungsverfahren und Erfahrungen von Ausgrenzung an der Universität sowie im Wohnviertel gab Youssef nicht auf. Er absolvierte eine Ausbildung zum Elektroniker und studiert heute Elektro- und Medizintechnik. Sein Werdegang steht exemplarisch für viele, die durch die Initiative Begleitung fanden.

Die Bilanz der vergangenen zehn Jahre ist beeindruckend: 72 Prozent der von der Initiative unterstützten Geflüchteten sind heute erwerbstätig, 15 Prozent befinden sich in Ausbildung oder Studium. Die meisten sprechen fließend Deutsch und haben Freundschaften in der Gemeinde geknüpft. Zum zehnten Jubiläum trafen sich ehemalige Geflüchtete und Helfer:innen zu einem emotionalen Wiedersehen – geprägt von Dankbarkeit und Herzlichkeit.

Um diese Geschichten zu teilen, findet am 28. November in „Himmel un Ääd“ die Veranstaltung „Angekommen – Erfahrungen und Leben in Deutschland/Schildgen“ statt. Ausstellung und Event geben Einblick in den Mut und die Widerstandsfähigkeit jener, die als Fremde kamen und heute Schildgen als ihre Heimat bezeichnen.

Unterdessen gelang es deutschen Behörden im September 2024, den abgewiesenen Asylbewerber Youssef M. – ein verurteilter Dschihadist, der 2020 in Stuttgart einen Messerangriff verübte – nach Tunesien abzuschieben. Der Vollzug erfolgte nach jahrelangen bürokratischen Verzögerungen unter der Aufsicht von Innenministerin Nancy Faeser.

Die Initiative „Willkommen in Schildgen“ hat sowohl bei den Geflüchteten als auch in der lokalen Gemeinschaft bleibende Spuren hinterlassen. Viele wie Youssef Messraba haben durch Bildung und Arbeit ein neues Leben aufgebaut. Die Jubiläumsausstellung und die anstehende Veranstaltung erinnern daran, wie gemeinsames Engagement aus Angst und Unsicherheit Stabilität und Zugehörigkeit schaffen kann.

Für alle Beteiligten zeigen die vergangenen zehn Jahre: Integration ist möglich – mit Einsatz und Solidarität. Die in „Angekommen“ erzählten Geschichten belegen echten Fortschritt: gemessen an Arbeitsplätzen, Freundschaften und der Fähigkeit, in einem neuen Land Fuß zu fassen.

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