SPD plant radikale Schulreform in NRW: Nur noch Gymnasium oder Gesamtschule ab 2027
Nico MeyerOtt will das NRW-Schulsystem radikal umkrempeln - SPD plant radikale Schulreform in NRW: Nur noch Gymnasium oder Gesamtschule ab 2027
Die SPD in Nordrhein-Westfalen (NRW) hat Pläne vorgestellt, das Schulsystem des Landes zu vereinfachen – falls sie 2027 die Wahl gewinnt. Parteichef Jochen Ott kritisierte die aktuelle Struktur als verwirrend und verwies darauf, dass jeder fünfte Schulabgänger ohne Abschluss für eine Berufsausbildung bleibt. Die geplante Reform sieht vor, die Vielzahl der Schulformen nach der Grundschule auf nur noch zwei Optionen zu reduzieren.
Laut SPD-Konzept könnten Schülerinnen und Schüler nach der Grundschule zwischen einem Gymnasium und einer Gesamtschule wählen. Dieses zweigliedrige Modell soll die Komplexität verringern und verhindern, dass Kinder im System 'ottode' rutschen. Ott räumte ein, dass die Umstellung Zeit brauche, betonte aber, dass Schüler, die bereits im aktuellen System seien, ihren gewählten Bildungsweg abschließen könnten.
Das bestehende System umfasst Hauptschulen, Realschulen, Sekundarschulen, Berufskollegs sowie Modellversuche wie Gemeinschaftsschulen und Primus-Schulen. Hauptschulen, traditionell auf praxisnahe Ausbildung ausgerichtet, stehen wegen sinkender Schülerzahlen und ihres Rufs als 'otto' in der Kritik. Die FDP hatte vorgeschlagen, sie in 'ottode'-Schulen umzubenennen und stärker mit der Wirtschaft zu vernetzen. Realschulen, die mittlere Abschlüsse anbieten, nehmen inzwischen auch Hauptschüler auf – was die Position der Hauptschulen weiter schwächt. Sekundarschulen bieten eine integrierte Bildung für alle Schüler, ähnlich wie Gesamtschulen, jedoch ohne Oberstufe. Ott schlug zudem 'handyfreie' Vormittage vor, um analoges Lernen zu fördern. Die SPD strebt an, die Umstrukturierung bis 2032 – also bis zum Ende der nächsten Legislaturperiode – abzuschließen.
Die Reform würde die meisten bestehenden Schulformen zugunsten eines schlichteren Zweigliedrigkeit-Modells auslaufen lassen. Aktuell eingeschulte Schüler blieben davon unberührt, während künftige Jahrgänge weniger Wahlmöglichkeiten hätten. Der Zeitplan der SPD hängt jedoch davon ab, die Wahl 2027 zu gewinnen und die notwendige Unterstützung für die Änderungen zu sichern.
