07 February 2026, 04:25

Thyssenkrupp baut Stahlgeschäft ab und setzt auf Wasserstoff in Indien

Ein Schwarz-Weiß-Foto einer Fabrik mit Arbeitern, die eine große Maschine bedienen, umgeben von Leitern und Stangen, mit dem Text "Cadillac Steel Works" unten.

Thyssenkrupp baut Stahlgeschäft ab und setzt auf Wasserstoff in Indien

Thyssenkrupp vollzieht tiefgreifende Umstrukturierung im Stahlgeschäft – Wasserstoffsparte expandiert nach Indien

Angesichts wachsenden Marktdrucks leitet Thyssenkrupp weitreichende Veränderungen in seiner Stahlproduktion ein. Das Unternehmen wird sich bis Mitte 2026 aus seiner Beteiligung an den Krupp-Mannesmann-Werken zurückziehen und die Lieferverträge für Brammen mit der Hüttenwerke Krupp Mannesmann (HKM) vier Jahre früher als geplant beenden. Gleichzeitig baut die Wasserstofftochter des Konzerns ihre Aktivitäten in Indien aus – ein klares Signal für die Neuausrichtung auf nachhaltigere Geschäftsbereiche.

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In den vergangenen fünf Jahren ist Thyssenkrupps Stahlproduktion kontinuierlich zurückgegangen. 2021 lag die Rohstahlproduktion noch bei rund 11 Millionen Tonnen, doch bis 2025 sank sie auf etwa 9 Millionen Tonnen. Hohe Energiepreise, betriebliche Herausforderungen am Standort Deutschland sowie die strategische Wende hin zu grünem Stahl und Handelsgeschäften trugen zu diesem Rückgang bei. Wettbewerber wie ArcelorMittal, Tata Steel und POSCO schnitten demgegenüber besser ab: Sie konnten ihre Produktion dank stärkerer regionaler Nachfrage und Innovationen halten oder sogar ausbauen.

Zusätzliche Belastungen für die Stahlsparte entstehen durch steigende Kosten für CO₂-arme Produktionsverfahren. Um die Geschäfte zu straffen, wird Thyssenkrupp seinen Anteil an den Krupp-Mannesmann-Werken bis zum 1. Juni 2026 an Salzgitter AG veräußern. Zudem kündigt das Unternehmen die Brammen-Lieferverträge mit HKM bis Ende 2028 – deutlich vor dem ursprünglich vereinbarten Termin 2032.

Trotz dieser Herausforderungen hat sich der Aktienkurs von Thyssenkrupp im vergangenen Jahr um fast 152 Prozent erholt, liegt aber weiterhin etwa 12 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch. Die Wasserstofftochter Nucera erschließt unterdessen neue Märkte: Gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) dringt sie in Indien vor. Die Finanzzahlen für das erste Quartal des Geschäftsjahres 2025/26 werden am 12. Februar 2026 veröffentlicht.

Während die Stahlproduktion schrumpft, verlagert Thyssenkrupp seinen Fokus zunehmend auf Nachhaltigkeit und Handel. Der Verkauf der HKM-Beteiligung und die vorzeitige Beendigung der Lieferverträge markieren einen deutlichen Abschied von der klassischen Stahlherstellung. Mit dem Wachstum der Wasserstoffsparte und den anstehenden Finanzupdates Anfang nächsten Jahres wird sich zeigen, wie es dem Konzern gelingt, industrielle Herausforderungen mit neuen Chancen in Einklang zu bringen.