01 February 2026, 04:30

Wie die Saublodere den schwäbischen Karneval zum Krachen bringt

Ein 17. Jahrhundert Schwarzweißstich von Albrecht Dürer, der einen Mann zeigt, der Schweine in einem Dorf füttert, mit Häusern, Bäumen und einem Wagen im Hintergrund.

Stinkend und laut - der seltsame Brauch mit Schweinsblasen - Wie die Saublodere den schwäbischen Karneval zum Krachen bringt

Jedes Jahr zur Karnevalszeit in Rottenburg, Baden-Württemberg, füllt eine skurrile Tradition die Straßen mit lautem Knallen. Einheimische schwingen aufgeblasene Schweineblasen, die als Saublodere bekannt sind, um Zuschauer zu erschrecken und die Feierlichkeiten aufzupeppen. Diese Lärmmacher sind genauso ikonisch für den schwäbisch-alemannischen Karneval wie Masken und aufwendige Kostüme.

Die Herstellung einer Saublodere beginnt mit der Beschaffung der Blasen bei Metzgern. Nur die robustesten Schweineblasen werden ausgewählt, auch wenn einige Zünfte mittlerweile Kuhblasen bevorzugen, da diese größer und haltbarer sind. Sobald die Blase ausgewählt ist, wird sie entleert, in Lake eingelegt, gründlich gereinigt und auf Mängel überprüft.

Das Aufblasen erfolgt mit Bedacht, oft mit Druckluft, um sicherzustellen, dass die Blase ihre Form behält. Anschließend wird ein Hagenschwanz – ein Stierpenis oder eine Kuhschwanzquaste – an der Blase befestigt, wodurch sie zum paratfertigen Lärmutensil wird. Wenn die Blase auf den Boden geschlagen wird, erzeugt sie ein scharfes, ohrenbetäubendes Knallen – ein Geräusch, das zum Synonym für die Karnevalsfeiern geworden ist.

Trotz ihrer spektakulären Wirkung haben Saublodere nur eine kurze Lebensdauer. Jede hält nur wenige Umzüge durch, bevor sie ersetzt werden muss. Die Schweineblase selbst trägt eine symbolische Bedeutung: Sie steht für Eitelkeit und dient als spielerisches Mittel, um während der Feierlichkeiten die Leute aufzuziehen, wie der VSAN (Verband Schwäbisch-Alemannischer Narrenzünfte) erklärt. Zwar liegen keine genauen Zahlen vor, doch sowohl Schweine- als auch Kuhblasen kommen weiterhin zum Einsatz – je nach Vorliebe der Zunft oder Region.

Die Tradition der Saublodere bleibt ein lebendiger Bestandteil der schwäbisch-alemannischen Karnevalsbräuche. Jedes Jahr bereiten die Zünfte frische Blasen vor, damit das laute Knallen weiterhin ein prägendes Merkmal der Feiern bleibt. Die Praxis unterstreicht die einzigartige Mischung aus Humor, Tradition und Gemeinschaftsgeist der Region.

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